Eine Reise durch die Zeit in Baden bei Wien: Auf den Spuren der antiken Römer im südlichen Niederösterreich. Ein Blick in die Vergangenheit an der Thermenlinie, am Rand des Wienerwaldes. Auf der Suche nach Spuren der Römer stoßen wir zunehmend auf historische Aspekte jüngerer Zeit, wie dem Mittelalter und der österreichischen Kaiserzeit bis in das 19. Jahrhundert. Die Römer haben nur einen kleinen Bruchteil der bislang 7.000-jährigen Besiedelungsgeschichte der Region eingenommen, doch ist belegt, dass seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. mit der Besiedelung der Römer (Aquae) eine permanente Besiedelung vorhanden ist. Davor ist die Quellenlage dünn, es ist jedoch belegt, dass frühere Ansiedelungen auch in den Bergen über der Kurstadt vorhanden waren, wahrscheinlich weil die Berge auch Schutz geboten haben. 

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Abbildung: Skulptur vor der Römertherme in Baden bei Wien, auf der Rückseite steht geschrieben: "Geist formt Materie"

Wir reisen durch die Epochen und blicken auf berühmte Persönlichkeiten der Geschichte, durch das Mittelalter, bis in die Kaiserzeit und darüber hinaus bis in die Gegenwart der Kurstadt und dessen Umgebung. Hier findet sich Erholung, Kunst, Kultur und Geschichte umgeben von Mythologie, Geologie und vielen versteckten Orten mit teils düsterer, sagenumwobener Vergangenheit. Kultstätten, Höhlen und Ruinen in den Bergen und Wäldern sind Zeugen die uns heute noch davon erzählen.

Geist formt Materie

Das Zitat „Geist formt Materie“ beschreibt die Idee, dass Bewusstsein oder mentale Prozesse die physische Realität erschaffen oder beeinflussen. Viele Weisheitslehren besagen, dass jede äußere Handlung und Erschaffung zuerst als Gedanke im inneren Geist beginnt.

Die Inschrift „Geist formt Materie“ auf dem Hinterkopf der Skulptur direkt vor der Römertherme Baden ist kein historisches römisches Zitat, sondern Teil eines zeitgenössischen Kunstwerks aus dem Jahr 2003. Das Kunstwerk wurde von Jürgen Ramacher und Christian Einfalt geschaffen und symbolisiert das Zusammenspiel aus Badens antiker Geschichte und modernem Leben.

Das gesamte Kunstwerk besteht aus zwei bronzenen Figuren, die aufeinander blickend ausgerichtet auf dem Platz vor dem Thermeneingang stehen:

  • Einem antiken Römerkopf, der die römischen Wurzeln der Stadt und ihrer Jahrtausende alten Thermalquellen repräsentiert.
  • Einem fotografierenden Touristen der Gegenwart, der für das heutige Leben, den Kurbetrieb und den zeitgenössischen Tourismus in Baden steht.

Das Zitat „Geist formt Materie“ schlägt hier die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es versinnbildlicht die Idee, dass der menschliche Geist über die Jahrhunderte hinweg die Materie geformt hat. Aus den Schwefelquellen der Römerzeit wurde durch die menschliche Ansiedelung und damit verbundene Gestaltungskraft die heutige Kurstadt Baden mit ihren modernen Thermenanlagen.

Aquae - das antike Baden bei Wien

Wirklich viel Erhaltenes aus römischer Zeit ist im modernen Baden bei Wien nicht – oder nicht mehr – zu finden. Im Vergleich dazu hat die Römerstadt Carnuntum viel mehr zu bieten. Das Rollettmuseum hat ein paar Exponate aus römischer Zeit ausgestellt, welche zufällig im Kurpark Baden ausgegraben worden sind. Beim Besuch des Museums sieht man deutlich um wieviel facettenreicher die Geschichte der Kurstadt ist. Jedoch gibt es in der Tat viel Interessantes, wie zum Beispiel die Ursprungsquelle von Baden, und Informationen über die 14 Thermalquellen in der Kurstadt. Täglich sprudeln mehr als 4 Millionen Liter des Schwefelthermalwasser aus diesen Quellen. Die Stadt Baden informiert darüber hinaus unter dem Titel „Bausteine der Kurstadt“ auch über ihre 7.000 Jahre lange Geschichte. Zudem gibt es die äußerst empfehlenswerten Welterbe Führungen, welche beim Leopoldsbad (Brusattiplatz 3, 2500 Baden) starten. Im Rahmen dieser Führungen erfährt man viel Historisches, auch aus römischer Zeit.

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Abbildung: Im Leopoldsbad am Brusattiplatz 3 im Zentrum von Baden befindet sich die Touristeninformation der Kurstadt - hier kann man sich für die Welterbe Führungen anmelden, die auch hier zu angegebenen Zeiten starten

Aquae - Aquis

Das römische Baden bei Wien wird im römischen Straßenverzeichnis unter dem Namen „Aquis“ genannt. In der älteren Forschung und in neueren populären Darstellungen begegnen daneben die Bezeichnungen „Aquae Pannoniae“ und „Aquae Pannonicae“. Da der entsprechende Zusatz in der antiken Straßenquelle jedoch fehlt, sollten diese Formen nicht ohne Einschränkung als authentische antike Ortsnamen verwendet werden. Baden bei Wien ist daher tatsächlich nur „Aquae“ oder „Aquis“. Aquae Pannoniae ist als erklärende oder gelehrte Bezeichnung verständlich, aber quellenkritisch nicht gleichwertig.

Eine Reise durch die Epochen: Baden bei Wien im Mittelalter

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Abbildung: Burgruine Rauheneck über den Dächern der Kurstadt Baden, am Eingang des Helenentals

Im Mittelalter hat sich die Bedeutung der Ansiedelung am Eingang zum Helenental verändert. Es sind Burgen und Befestigungen entstanden um die Einheimischen gegen Eindringlinge aus dem Norden und Osten zu schützen.

Burgruine Rauheneck und Rauhenstein: Wächter über das Helenental

Am Eingang des Helenentals erheben sich auf gegenüberliegenden Anhöhen die Burgruinen Rauheneck und Rauhenstein. Beide Anlagen gehen auf das 12. Jahrhundert zurück und sicherten im Mittelalter den Weg von Baden durch das Tal. Ihre erhöhte Lage ermöglichte es, den Verkehrsweg entlang der Schwechat zu überblicken und zu kontrollieren. Die Anfänge beider Burgen sind eng mit dem Geschlecht der Rauhenecker verbunden, das später unter dem Namen Tursen bekannt wurde. Ihr Einfluss reichte über das Helenental hinaus. Die weit verzweigte Familie besaß auch Herrschaften im Waldviertel, darunter Lichtenfels. Im Raum Baden verband sich ihre Herrschaft mit der Sicherung der Verkehrswege sowie mit Rodungen und der Anlage von Siedlungen. Burgen waren dabei sowohl militärische Stützpunkte als auch Zentren der Verwaltung des umliegenden Besitzes.

Charakteristisch für Rauheneck ist der heute noch gut erhaltene Bergfried mit seinem ungewöhnlichen dreieckigen Grundriss. Auch von Rauhenstein blieb neben ausgedehnten Mauerresten ein mächtiger, rund 20 Meter hoher Turm erhalten. Beide Burgen wurden im Laufe ihrer Geschichte mehrfach zerstört. Ihre heutigen Überreste lassen die einstige Wehrhaftigkeit noch deutlich erkennen.

Auf unserer Spurensuche führen uns diese beiden Ruinen ins mittelalterliche Baden. Hoch über der Schwechat erinnern sie an eine Zeit, in der Burgen das Tal bewachten und das Landschaftsbild prägten. Und das tun sie heute noch.

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Abbildung: Burgruine Rauheneck und Rauhenstein gegenüber am Eingang des Helenentals bei Baden bei Wien