Leben in Zypern: Vor- und Nachteile über den Lifestyle auf der Insel

Viele west-europäische Menschen spielen mit dem Gedanken ihr Leben – oder zumindest einen Teil davon – nach Zypern zu verlagern. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Beweggründe und Bedürfnisse. Das milde Klima im Winter, die Nähe zum Meer, neue berufliche Perspektiven, finanzielle Unabhängigkeit und die Möglichkeit mehr aus dem eigenen Einkommen in Vermögen zu generieren sind die häufigsten Motive für den Wunsch ein Leben in Zypern zu verbringen. Doch ist das so einfach und in der Realität reizvoll wie es klingt? Nicht unbedingt!
Dieser Artikel soll nicht abschrecken und grundsätzlich ist es empfehlenswert, ganz im Sinne der pomalo pomalo-Philosophie, die eigenen Träume zu verwirklichen und damit ein erfülltes Leben zu haben. Aber es ist leider auch nicht alles Gold was glänzt, wie es zumindest viele Immobilienmakler und Lifestyle-Blogger auf ihren Medien-Kanälen suggerieren. Daher behandelt dieser Artikel auch Aspekte mit denen man zurechtkommen muss, wenn man für eine längere Zeit nach Zypern kommen will. Es ist definitiv anders auf Zypern zu leben, als wenn man lediglich als Tourist den Luxus der Hotels genießen kann.
Das echte Leben in Zypern ist nicht mit Österreich oder Deutschland zu vergleichen
So manche Einwanderer (speziell junge Menschen), die in ihrer kalten Heimat nicht viel Verantwortung, Besitztum, familiäre Verpflichtungen und Dergleichen hinterlassen, werden gerade am Anfang, nach einer kurzen Phase der Insel-Euphorie, mit der Realität konfrontiert. Dessen muss man sich bewusst sein und auch damit rechnen gewisse Abstriche machen zu müssen, insbesondere wenn man einen soliden österreichischen oder deutschen Standard (in Bezug auf Infrastruktur, Serviceleistungen, Qualität der Häuser, Wasserversorgung, etc …) gewohnt ist.
Der Lifestyle in Zypern ist anders
Durchaus positiv ist natürlich die lässige Mentalität auf der Insel, die einen auf gewisse Weise richtig runter kommen lässt. Die vielen Sonnenstunden, zahlreichen Tavernen und gechillten Menschen sorgen für das gewisse Etwas im alltäglichen Leben. Daher ist es wichtig, genau diese Vorteile regelmäßig zu nutzen, um gewisse Nachteile auszugleichen.

Achtung bei der Wahl einer Immobilie auf Zypern
Als ein Nachteil kann sich die Wahl der Immobilie (Mietwohnung oder Haus) herausstellen. Hier ist Vorsicht geboten, da die Bauqualität definitiv eine andere ist als in Österreich. Grundsätzlich schlechte Isolierungen, Fenster und sonstige Installationen, und der Umstand, dass dies oft nicht ordentlich verbaut wurde, können so manchen Bewohner echte Kopfzerbrechen bereiten.
In Zypern sind die Wohnungen grundsätzlich viel größer angedacht als in Österreich oder Deutschland. Es gibt kaum etwas unter 50 m² zu finden. Eine vernünftige Wohnung beginnt in der Regel erst bei 70 m² und die ist aber auch entsprechend teuer, jenseits der € 1.500,- Miete pro Monat. Es gibt natürlich auch Mietwohnungen für € 600,- pro Monat, aber da muss man die Qualität und Lage der Wohnung wirklich hinterfragen.
Wohnen in der Nähe der Küste
Dann will man natürlich in der Nähe des Meeres wohnen. Dies kann aber auch langfristig gewisse Nachteile mit sich bringen. Das feuchte Klima und die Erosion an der Küste nagt langfristig an der Bausubstanz und den Materialien. Es beginnt alles schneller zu rosten und dies macht ein Wohnen relativ wartungsintensiv. Hinzu kommt, dass es immer wieder sehr sandig werden kann, wenn der Wind den Sand der Sahara über das Mittelmeer bläst. Dann hat man im Prinzip ähnliche Probleme wie auf Malta und Sizilien. Wen das aber nicht kümmert, der ist in Küstennähe sehr glücklich, außer vielleicht im Sommer, da es auf Zypern unerträglich heiß werden kann. Auch damit muss man im alltäglichen Leben (auch bei der Arbeit) umgehen können.

Die Luftqualität auf Zypern
Wer glaubt, dass die Luftqualität in Zypern durch das Meer eine bessere ist, als in Österreich oder Deutschland, der wird bald einmal auch eines besseren belehrt. Einerseits kann viel Sand der Sahara in der Luft sein (Feinstaubbelastung, ähnlich wie auf Malta, Sizilien oder auch auf den kanarischen Inseln). Auf der anderen Seite gibt es in Zypern nicht so eine grüne Energiepolitik, wie in Österreich oder Deutschland. Das bedeutet, dass es durchaus in Städten wie Larnaka, in der Nähe von Häfen und Industriezonen ziemlich unfein nach Abgasen stinken kann.
Energiepolitik in Zypern
Die Energieversorgung in Zypern ist fest in monopolistischen Händen. Es gibt zwar Windräder, Staudämme und Solaranlagen zur Energiegewinnung, das aber auch nur zu einem sehr kleinen EU-indizierten Teil der gesamten Energieversorgung. Im Grunde genommen wird in diesem Bereich nur das Notwendigste gemacht.
Mobilfunk auf Zypern
Auf griechischer Seite im Süden von Zypern kann man als EU-Bürger die Roaming-Vorzüge der EU problemlos nutzen. Anders sieht das im Norden der Insel aus. Im türkischen Teil von Zypern können extrem hohe Roaming-Gebühren anfallen, daher ist hier Vorsicht geboten, wenn man sich der türkischen Grenzlinie nähert.
Tipp: Wenn Ihr Smartphone so eingestellt ist, dass es sich automatisch mit einem gerade verfügbaren Netz verbindet, dann kann es bereits in der Nähe der Grenze passieren, dass Sie auf einmal mit einem türkischen Netz verbunden sind, obwohl Sie das gar nicht wollen, oder Ihnen das bewusst ist. Deaktivieren Sie daher am besten auf Ihrem Handy die automatische Netzverbindung und wählen Sie ein konkretes Mobilfunknetz Ihrer Wahl, bei welchem keine zusätzlichen Roaming-Gebühren anfallen können.

Der Winter auf Zypern
Der milde Winter auf Zypern ist definitiv ruhiger als der heiße Sommer. Wem das gefällt, der hat auf Zypern im Winter bestimmt eine schöne Zeit. Menschen, die das Bedürfnis nach Stimmung, Party und gesellschaftlicher Kultur (Events, Feiern, Veranstaltungen, …) haben, werden es im Winter eher schwer auf Zypern haben.
Viele Tavernen, Clubs und sogar Hotels haben im Winter geschlossen, da es sich für die Betreiber nicht rentiert geöffnet zu haben. Insofern kann man Zypern als eine Insel der zwei Leben betrachten. Das ruhige Leben im Winter und das überhitzte (im wahrsten Sinne des Wortes) Leben im Sommer. Auch damit muss man zurechtkommen.
Die Kultur von Zypern

Es gibt verschiedene Aspekte von Kultur. Im historischen Kontext hat Zypern, wie in Paphos beispielsweise, viel zu bieten. Über die Jahrhunderte hat es immer wieder kriegerische Handlungen mit Eroberungscharakter auf Zypern gegeben. Die Byzantiner, die Osmanen und die Venezier haben lange nach den Griechen und Römern hier auf Zypern ihr Reich erweitert. Zahlreiche historische Überlieferungen dazu findet man in Form von Ausgrabungen, Ruinen und in Einrichtungen, wie dem Archäologie Park Nea Pafos. Doch dies im Grunde genommen einer der wenigen echt zypriotisch kulturellen Aspekte, die offensichtlich auf Zypern zu finden sind.
Zypern fehlt ein wenig die eigene Kultur
Zypern selbst hat nicht wirklich seine komplett eigene Kultur im gesellschaftlichen Sinne. Es ist vielmehr eine Verschmelzung verschiedener Kulturen, die sich hier zu einem kulturellen „Mischmasch“ entwickelt hat, auch was die Ernährung betrifft. Es gibt sehr viel griechische Einflüsse, sowie türkische Merkmale und Dinge die an Israel erinnern, sowie viele andere kulturelle Einflüsse, die selbst mit Zypern gar nichts zu tun haben.

Wie bereits erwähnt, ist es speziell im Winter im Gegensatz zum Sommer sehr ruhig, um nicht zu sagen „langweilig“ auf der Insel. Menschen die den gesellschaftlich reizvollen Lifestyle auf Zypern suchen, werden im Winter bitter enttäuscht sein. Es gibt wenig kulturelle Veranstaltungen, und wenn dann eher nur im privaten Rahmen, auf welche die man eigentlich nur durch seine sozialen Kontakte auf Zypern kennenlernen kann. Man muss also der richtige Typ Mensch für Zypern sein, damit einem das nichts ausmacht. Man braucht ein soziales Umfeld und gesellschaftlichen Anschluss, um selbst auch die schönen Seiten von Zypern in vollen Zügen genießen zu können.
Geschaffen für Zypern?
Wer im Winter auf Zypern glücklich sein kann, der ist wahrscheinlich in gewisser Weise auch wie für die Insel geschaffen. Wer gerne Sport (Laufen, Radeln, Wandern, Schwimmen, Tauchen und generell Wassersport) betreibt, wunderschöne Strände, viel Natur und auch die Berge liebt, für den hat Zypern sehr viel zu bieten.
Sport in Zypern
Das Mittelmeer ist auch im Winter bei Zypern relativ mild, im Vergleich zu anderen Bereich des Mittelmeeres. So kann man im Februar und März durchaus schwimmen gehen, ohne sich dabei eine Erkältung zu holen. Bei schönen Sandstränden, wie dem Nissi Beach zum Beispiel, sieht man auch in der kalten Jahreszeit Open Water-Schwimmer und Triathleten mit Neopren-Anzug und Boje beim Training in Küstennähe. Auch dies ist ein kleiner Teil der Kultur auf Zypern, die Sport-Kultur im Rahmen der Möglichkeiten.
In Ayia Napa beispielweise findet auch immer wieder ein Halbmarathon-Lauf-Wettbewerb für einen guten Zweck statt und es gibt auch ein beliebtes Radrennen auf Zypern, welches viele Teilnehmer anlockt. Auch in Limassol wird kräftig Werbung für Laufevents gemacht. Das MUSAN Museum of Underwater Sculpture Ayia Napa bietet für Taucher (und Schwimmer sogar kostenfrei) ein spannendes Erlebnis in Form einer Unterwasser-Ausstellung am Grund des Meeres in 8 – 10 Meter Tiefe. Da gibt es also durchaus viele Möglichkeiten um sich nach Herzenslust auszutoben und sportlich zu betätigen.

Die Wahl der Stadt auf Zypern
Bei der Wahl der Stadt, in welcher man wohnen will, sollte man sich auf jeden Fall viele Gedanken dazu machen. Am besten besucht man jede Stadt und versucht für sich die jeweiligen Vor- und Nachteile für sich zu erkennen. In der Tat hat jede Region an der Südküste von Zypern ihren eigenen Charakter.
- Ayia Napa: Dieses ehemalige Fischerdorf ist heute in gewisser Weise die Touristen-Hochburg im Südosten von Zypern. Zahlreiche Hotelanlagen, Resorts und wunderschöne Strände dominieren und charakterisieren die Region. Urlauber werden hier für ein oder zwei Wochen entsprechend gut bedient. Sein ganzen Leben hier zu verbringen ist eine andere Sache, die man sich gut überlegen sollte.
- Larnaka: Hier befindet sich der große internationale Flughafen von Zypern. Die Stadt ist geprägt von Industrie, Handel und Verkehr. Durch den Hafen ist hier auch der industrielle Schiffverkehr entsprechend hoch, was Larnaka nicht unbedingt zu einer idyllischen Urlaubsortschaft macht. Die Stadt wirkt relativ chaotisch und ein wenig dreckig, teilweise wirklich veraltet und manchmal erinnert Larnaka ein wenig an Addis Abeba, die Hauptstadt von Äthiopien. Es gibt zwar Strände zum Erholen, Sporteln und Schwimmen, diese sind aber nicht mit den schönsten Stränden von Zypern zu vergleichen. Obwohl Larnaka gewiss auch sein Vorzüge hat, so ist es im Sinne der pomalo pomalo-Philosophie nicht unbedingt ein Ort zum Wohlfühlen.
- Limassol: Wesentlich moderner und sauberer als Larnaka wirkt Limassol, die nächste Metropole an der Südküste von Zypern. Was hier aber in der Tat fehlt, ist ein schöner Strandbereich. Es gibt nicht wirklich eine Strandpromenade und somit keinen Erholungsbereich an der Küste. Die Strände von Limassol wirklich nicht wirklich einladend, wenngleich es zahlreiche Wellenbrecher-Mauern im Wasser gibt, welche die Strände vor großen Wellen schützen. Im Grunde genommen ist Larnaka eine Business-Stadt für Investoren und Menschen, die das Club- und Party-Leben im Sommer wünschen. Aber im Winter wird es auch hier um einiges ruhiger als im heißen Sommer.
- Paphos: In Bezug auf die lebenswerteste Stadt im Süden von Zypern wird oft Paphos in den Mund genommen. Paphos ist ein möglichst gesunder Mix aus Kultur, Geschichte, Infrastruktur, Sauberkeit und Möglichkeit zur Erholung. Das Zentrum von Paphos ist wunderschön renoviert und durch die Initiativen des aktuellen Bürgermeisters (Stand: 2025) vielerorts komplett neu aufgebaut. Im Jahr 2025 wirkt Paphos in der Tat sehr neu, clean und modern – wenngleich versucht wird, den alten und historischen Flair der Stadt zu bewahren und dennoch moderne und qualitativ hochwertige Infrastruktur zu erreichen. Doch dies ist im Prinzip nur Fassade. Viele wirklich alte Häuser und Einrichtungen von Paphos wurden komplett abgerissen und komplett neu aufgebaut, was nicht allen Einwohnern gefallen hat und natürlich damit den alten Flair der Stadt vernichtet. Dies ist natürlich eine Philosophie-Frage und der aktuelle Trend, welchen der Bürgermeister mit großen Eifer verfolgt. Zumindest kann er behaupten, wirklich etwas in seiner Stadt zu bewegen und viele Dinge zu reparieren, die schon lange nicht mehr funktioniert haben.
Berufliche Perspektiven: Gründung einer eigenen Zypern Limited
Ein starkes Motiv um nach Zypern auszuwandern, ist die Gründung einer steuersparenden „Zypern Limited“ mit dem sogenannten Non-Dom-Status. In der Tat ist es möglich, mit dieser Unternehmensform (speziellen in der digitalen Branche, ortsunabhängig) als selbstständiger Unternehmer extrem viel Steuern zu sparen. Wenn man es richtig angeht, kann sich dadurch in relativ kurzer Zeit sogar durch die Steuerersparnis ein beträchtliches Vermögen ansammeln. Aber man muss auch bereit sein, die Regeln dafür zu beachten und einzuhalten. Und man muss auch mit den Konsequenzen und Nachteilen umgehen können.
Es muss zum Beispiel auf die Wegzugsbesteuerung geachtet werden, damit man hier nicht in eine Kostenfalle tritt, wenn man zum Beispiel über Besitz in Österreich, Deutschland und/oder Frankreich verfügt. Die Schweiz hat beispielsweise keine Wegzugsbesteuerung.
Es ist nicht so einfach wie es zunächst aussieht
Und man kann nicht einfach seinen Hauptwohnsitz, und die eigene Firma, in Österreich oder Deutschland weiter haben und zugleich den Non-Dom-Status in Zypern für sich in Anspruch nehmen. Es wird somit unterbunden, dass man beispielsweise sein österreichisches Unternehmen umsatztechnisch auf ein Minimum reduziert, um der Steuerlast zu entgehen und zeitgleich den größten Teil des Umsatzes mit der steuersparenden Limited-Gesellschaft auf Zypern generiert. Um den Non-Dom-Status zu erlangen, muss man sich im ursprünglichen Heimatland abmelden und ein völlig neues Leben als Non-Dom akzeptieren. Dazu zählt auch, dass man mindestens 60 Tage im Jahr auf Zypern verbringt und nicht ständig im ursprünglichen Heimatland zu Hause ist.
Auch hier in diesem Bereich wird oftmals mit Zypern sehr blauäugig und unkompliziert argumentiert und Werbung gemacht für Etwas, was im Detail dann gar nicht so leicht ist. Jedenfalls sollte man sich sehr gut informieren und Vieles hinterfragen. Das ist in Zypern nie verkehrt, denn es wird oft leicht geredet und sich nicht viel Gedanken über etwas gemacht und wenn es dann nicht so ist und auch nicht passt, wie gewünscht, dann ist es ebenso. Auch damit muss man umgehen können.
Berufliche Perspektiven: Gründung einer eigenen Zypern Limited
Wenn man als West-Europäer zum Leben den gewohnten österreichischen (oder deutschen, ..) Standard nicht aufgeben will, und dennoch für eine gewisse Zeit die Vorteile von Zypern haben will (und es sich leisten kann), dann ist es vielleicht die beste Möglichkeit, Zypern im ersten Quartal (Jänner – März) zu besuchen, auch wenn es nur für ein oder zwei Monate ist. Zu dieser Zeit hat man durchaus gewisse Vorteile:
- Relativ mildes Klima
- Vergleichsweise günstige Preise (Mietautos, Hotels und Ferienwohnungen, Flüge, …)
- Nicht viele Touristen und ein gechilltes Leben
- Leere Strände und die Möglichkeit zur echten Erholung
- Im Süden von Zypern (Griechenland) gewisse EU-Standards (EU-Roaming, Euro als Währung, kein Visum notwendig)

Die Vorteile von Zypern liegen ja grundsätzlich klar auf der Hand, daher ist es nicht unbedingt notwendig, die weiteren Vorteile am Leben in Zypern nochmals zu formulieren. Schließlich gibt es unzählige Artikel, Social Media-Postings und Videos im Internet, die Zypern in den Himmel loben.
Hoffentlich hat dieser Beitrag geholfen, die Überlegungen rund um ein Leben am Mittelmeer, in einem angenehmen Klima und einer stressfreien Umgebung zu Befruchten und mit realistischen Augen zu sehen.