Die Dinge „Schritt für Schritt“ gemäß der pomalo pomalo-Philosophie zu tun kann unterschiedlich interpretiert werden. Es gibt Menschen die eine Art von Ineffizienz darin sehen, mehrere Tätigkeiten nicht gleichzeitig zu machen. Multitasking ist in deren Augen die effiziente und zu gleich effektive Form der Produktivität, die Erfolg und schnelles Wachstum generiert. Sinngemäß ist „Schritt für Schritt“ genau das Gegenteil von Multitasking, aber das bedeutet nicht automatisch, dass man mit der Schritt für Schritt-Philosophie ineffizient und unproduktiv sei – das Gegenteil kann der Fall sein.

schritt für schritt
Abbildung: Schritt für Schritt beginnen wir langsam zu laufen - und es funktioniert dann auch gut

Schritt für Schritt: pomalo pomalo - so schnell langsam werden

Mit dem pomalo pomalo-Style „Schritt für Schritt“ die Dinge zu erledigen kann auf lange Sicht gesehen der erfolgversprechendere Weg sein ans Ziel zu gelangen – selbst wenn der Weg das Ziel ist. Und hier kommen wir zum springenden Punkt – die meisten Dinge laufen uns nicht wirklich davon, Zeit ist daher relativ. Wollen wir der Zeit davon laufen um Zeit zu sparen oder wollen wir die Zeit, die uns geschenkt ist, dafür nutzen um ein sinnvoll erfülltes Leben zu führen?

Die erfolgreiche österreichische Snowboarderin Anna Gasser hat mit uns über Ihren Bezug zu „Schritt für Schritt“ gesprochen. Auch Anna ist der Meinung, dass es sogar im Spitzensport – und gerade deswegen – so wichtig ist, den Dingen mit Gelassenheit zu begegnen um in Zeiten der Superlative und anspruchsvollen Arbeit das eigene Potenzial voll ausschöpfen zu können. Hier das Video zum Interview:

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Multitasking versus Schritt für Schritt

Entgegen der landläufigen Meinung, dass Frauen beim Multitasking besser wären als Männer – oder diese Arbeitsweise besser aushalten – stellt sich die Frage ob regelmäßiges Multitasking für uns Menschen grundsätzlich gesund ist. Multitasking regelmäßig angewendet ist jedenfalls eine Form von ungesundem Stress. Ungesunder, chronischer Stress (wenn Anspannung überwiegt und Erholungsphasen fehlen) kann auf Dauer echte gesundheitliche Schäden verursachen.

Was bringt es uns in der Zukunft auf eine Zeit zurück zu blicken, in der wir Aufgrund unserer Arbeitsgewohnheiten krank geworden sind – nur um das damit verdiente Geld ausgeben zu müssen, damit wir vielleicht wieder gesund werden können? Eine gute Frage, die manche Menschen in der Gegenwart (wenn noch alles okay ist) vielleicht nicht wahrhaben wollen.

Die Dinge „Schritt für Schritt“ zu erledigen ist daher in gewisser Weise eine Form der Gesundheitsprävention, da die tagtägliche Arbeit ohne übermäßigem Multitasking-Stress vollbracht werden kann. Und das ist in der Tat in unserer schnelllebigen Zeit und dem projizierten Arbeitsdruck von Wirtschaft und Gesellschaft keine leichte Aufgabe. Wir müssen bewusst, also pro-aktiv, lernen die Dinge „Schritt für Schritt“ zu tun und uns möglichst nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Zu viele externe Faktoren versuchen immer wieder bewusst oder unbewusst uns aus diesem Gleichgewicht der Ruhe zu bringen. Es liegt an uns selbst, und an unserer Achtsamkeit, uns nicht von externen Faktoren (dem Chef, Auftraggebern, Kollegen, Partner, Freunden, Familienmitgliedern, …) negativ beeinflussen zu lassen. Das Wort „Ruhe“ bedeutet in diesem Kontext nicht, dass man nur ruhig herumliegt und nichts tut – ganz im Gegenteil – die Dinge mit Ruhe „Schritt für Schritt“ zu erledigen ist eine Form der gesunden – und somit effizienten – Produktivität, in der man sich bewusst wird, dass alles seine Zeit hat – und dass für alles die richtige Zeit kommen wird.

In der Ruhe liegt die Kraft

Das Zitat „In der Ruhe liegt die Kraft“ (Konfuzius, chinesischer Philosoph) bestätigt genau diese Ansicht, dass die Ruhe im Handeln eine Kraft besitzt, die Multitasking nicht entfalten kann. Menschen, die sich das zu Herzen nehmen und zumindest versuchen, danach zu leben, tun das für Ihre Gesundheit und ein möglichst zufriedenes Leben – ein Leben, dass man sich mit allem Geld der Welt nicht erkaufen kann.

Schritt für Schritt gegen Burnout

Im Prinzip verhält es sich sehr ähnlich mit dem Begriff „Burnout-Syndrom“. Von zu viel Arbeit alleine hat wahrscheinlich noch niemand ein Burnout bekommen, aber bestimmt viele Burnouts sind durch den falschen Umgang mit Arbeit entstanden. Einerseits tragen langfristig fehlende Ruhepausen bei gleichzeitig intensiven Arbeitsleistungen zu Erschöpfungszuständen bei. Auf der anderen Seite hängt auch viel ab von der mentalen Verfassung und Einstellung zur jeweiligen Arbeit.

In unserem Beitrag über die japanische Lebenskunst Ikigai wird davon berichtet, dass der Sinn des Lebens eine wesentliche Rolle dabei spielt, ob man glücklich ist, oder nicht. Unser Gehirn ist grundsätzlich zielorientiert – und daher auch Sinn-orientiert. Wir Menschen wollen intuitiv einen Sinn hinter dem sehen, was wir tagtäglich tun. Wir wollen auch einen Sinn in unserem gesamten Leben sehen. Etwas, für das es sich zu leben lohnt. Wenn man Ikigai nicht in irgendeiner Form hat, dann besteht durchaus die Gefahr ins Burnout zu geraten. Menschen, die mit ihrem Ikigai arbeiten und leben, kennen Burnout wahrscheinlich nur vom Hörensagen. Warum? Weil es diesen Menschen Sinnhaftigkeit und Freude bereitet, wenn sie jeden Tag das machen dürfen, was ihnen Spaß macht und ihr Leben erfüllt. Wenn man dann auch noch seinen Lebensunterhalt damit bestreiten kann, dann ist das eigentlich noch viel besser als einen Lotto-6er zu haben – denn Geld alleine macht bekanntermaßen nicht glücklich – ganz im Gegenteil.