Das historische Thermalbad Bad Vöslau in Niederösterreich, etwa 30 Kilometer südlich von Wien, wurde im Jahre 1822 erstmalig von Moritz I. Graf von Fries als „Fries’sche Badeanstalt“ eröffnet und ist eine wahre Perle mit historischem Charakter und unverwechselbarem Ambiente. Die schon seit der Römerzeit bekannte Thermalquelle in Bad Vöslau diente ab diesem Jahr 1822 dem Badebetrieb. Seit dem Jahr 1873 besteht das von Ringstraßen-Architekt Theophil von Hansen gestaltete Thermalbad. Zu den prominentesten Gästen zählten u.a. Arthur Schnitzler und Mitglieder des österreichischen Kaiserhauses.

thermalbad bad vöslau
Abbildung: Die wunderschöne Liegewise auf der Insel im Thermalbad Bad Vöslau im Jahr 2026

Markus vom pomalo pomalo-Team berichtet von hier über das Leben auf der Insel inmitten des grünen Thermalbecken. Zusätzlich erzählen wir Interessantes aus der ganzen Region, sowie über die Entstehung des Thermalbades und die historische Entwicklung vom nahe gelegenen Baden bei Wien als Kurstadt zum UNESCO-Weltwerbe. Obwohl Baden bei Wien und Bad Vöslau eine jeweils komplett eigenständige Entwicklungsgeschichte haben, so gibt es durchaus Zusammenhänge, wenngleich auch viele Unterschiede.

Doch zunächst noch etwas über die Insel im Thermalbad Vöslau

Die Insel ist tatsächlich ein ziemlich außergewöhnliches Detail im Thermalbad Vöslau. Das Grüne Becken wird direkt von der Vöslauer Ursprungsquelle gespeist, und die Insel liegt mitten in diesem Quellbecken. Am 20. Juli 1926 wurde das Thermalbad nach dem Wiederaufbau (es wurde kurz nach dem 1. Weltkrieg abgerissen) durch Bundespräsident Michael Hainisch feierlich eröffnet. Aus dieser Zeit dürfte die heutige Insel stammen. Ein Film über die Eröffnung des neu erbauten Thermalbades in Vöslau zeigt unter anderem eindrucksvoll die damalige Anlage. Bei 2:35 [Minute:Sekunden] in diesem Film sieht man die heute noch bestehende kleine Brücke, welche auf die Insel führt. Heute wird die Insel vor allem als Ruhe- und Aufenthaltsort genutzt. Der „Schwimmende Salon“ nutzte sie auch als Eventlocation. In den letzten Jahren hat man die Bühne allerdings auf die nahe gelegene Liegewiese verlegt.

insel im thermalbad vöslau
Abbildung: Die Insel im Grünen Becken des Thermalbad Vöslau im Mai 2026

Video über das Leben auf der Insel im Thermalbad Vöslau

Während man sich in der Römertherme in Baden grundsätzlich das ganze Jahr erholen kann (indoor und outdoor), so steht das Thermalbad Vöslau lediglich als reines Freibad nur von Mai bis Ende September den Badegästen zur Verfügung. Das ist aber nicht der einzige Unterschied. Jedenfalls kann sich Markus im Mai bei herrlichem Kaiserwetter auf der berühmten Insel im grünen Becken ganz alleine auf die Erholung freuen, wie hier im Video zu sehen ist:

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Über die gesamte Region und den nahegelegenen Kurtort "Baden bei Wien"

Das Thermalbad in Bad Vöslau ist ein besonders interessantes Beispiel dafür, wie sich klassische Kurtradition, Architektur und moderne Freizeitkultur über rund 200 Jahre miteinander verbunden haben. Doch die heilende Wirkung der gesamten Region rund um das nahe gelegene Baden bei Wien ist noch viel weiter in die Vergangenheit zurück zu verfolgen, so spricht man heute von 7.000 Jahren Kurstadtgeschichte. Und auch schon die Römer haben das heutige Baden bei Wien für sich erschlossen und haben ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. das Thermalwasser der 36 Grad warmen heutigen Ursprungsquelle gerne zur Erholung genutzt und den Ort folglich dazu passend „Aquae“ (bzw. auch Aquae Pannonicae oder Thermae Pannonicae, die Römer selbst haben wahrscheinlich nur „Aquae“ dazu gesagt) genannt. Heute gehört das Erbe daraus zum UNESCO-Welterbe und Baden bei Wien zu den „The Great Spa Towns of Europe„.

Das Thermalbad in Bad Vöslau ist mit den Thermalbädern in Baden bei Wien nicht zu verwechseln

Das Thermalbad Vöslau ist nicht als Teil der Kurstadt Baden bei Wien zu verstehen. Bad Vöslau und Baden bei Wien gehören geologisch und historisch zur selben Thermalregion, aber die beiden Orte haben sich als Badeorte durchaus eigenständig entwickelt. Und auch das Thermalwasser in Bad Vöslau entspringt aus einer komplett anderen Quelle. Die Thermalquellen in Baden bei Wien sind klassische, deutlich schwefelhaltige Thermalquellen mit etwa 23 – 40 Grad Celsius. Die Vöslauer Ursprungsquelle ist eine artesische Mineral- bzw. Thermalquelle mit durchschnittlich nur etwa 21 Grad Celsius (die Quelle unterliegt Schwankungen zwischen 18 – 24 Grad Celsius, wie im zuvor erwähnten Film zu sehen ist, hatte die Quelle im Jahr 1926 bis zu 24 Grad Celsius) und einer völlig anderen Mineralisation. Wer also glaubt, dass man im Thermalbad Vöslau in warmen Wasser badet, der wird spätestens bei der ersten Wasserberührung eines „erfrischenden“ Besseren belehrt.

Eigen- und Besonderheiten des Thermalbad Vöslau

Das Thermalbad Vöslau ist in der Tat kein gewöhnliches Thermalbad und schon gar nicht mit einer Therme im üblichen Sinn zu vergleichen. Das sieht man bereits, wenn man die klassische Front (Voderansicht) vor dem Betreten des Bades wahrnimmt.

Kleines Detail am Rande: an der rechten Ecke des historischen Front-Gebäudes befindet sich ein kleiner Brunnen. Hier fließt in der warmen Jahreszeit das originale Vöslauer Quellwasser ununterbrochen und kostenfrei für alle Menschen (auch Nicht-Badegäste). Viele Einheimische (und erstaunlicherweise auch Menschen von weit her) kommen regelmäßig hier her, um das Quellwasser in Flaschen für sich abzufüllen. Und es gibt in der Tat einige Menschen, die mit Leib und Seele auf dieses „Heilwasser“ schwören und dies regelmäßig trinken.

Hat man den Eingangsbereich passiert, so offenbart sich im Inneren ein wunderschöner Anblick auf das „neue“ Blaue Becken (Chlorwasser) und im Hintergrund die faszinierende Fassade mit den Stiegen und den Schwedenduschen in der Mitte. Über den Schwedenduschen steht eine große Statue einer antiken Göttin. Leider ist nicht überliefert um welche Göttin es sich hier handelt, die Skulptur orientiert sich an einer berühmten antiken Frauenstatue aus dem Umkreis des griechischen Bildhauers Lysipp (4. Jahrhundert v. Chr.).

Wenn man nun an den Schwedenduschen vorbei die Stufen hinauf steigt, gelangt man zum historischen Kern des Thermalbades: zum Grünen Becken. Hier schwimmt man in reinstem glasklaren Trinkwasser, welches direkt aus der Vöslauer Ursprungsquelle gespeist wird. Das Wasser ist aber nur dann so rein und glarklar, wenn nicht bereits unzählige mit Sonnencreme beschmierten Badegäste das Becken benutzt haben.

Da es sich um unbehandeltes und wirklich natürliches Quellwasser handelt, ist das dann mit der Reinheit und Trinkbarkeit so eine Sache. Man sollte das Wasser daher nur direkt aus der Quelle trinken und nicht aus dem Becken. Eine Besonderheit dahingehend ist natürlich, dass wenn es einen natürlichen Zulauf gibt, dass es demnach auch einen natürlichen Wasserablauf gibt. Daher gelangt immer wieder laufend frisches Wasser in das Grüne Becken, nur leider im Sommer zu Spitzenzeiten zu wenig. Daher verringert sich über den Tag verteilt die Wasserqualität zunehmend, je nachdem wie viele Badegäste das Becken benutzen. Über die Nacht hat das Becken allerdings Zeit sich wieder etwas zu regenerieren.

Genau hier im Grünen Becken befindet sich die Insel, auf welcher eine wunderschöne riesige Plantane steht, die im Sommer für viel Schatten sorgt. Dieser Baum macht die Insel auch an heißen Tagen bewohnbar. Daher sagen wir Einheimischen gerne dazu „das Leben auf der Insel“ und in der Tat verfügt die Insel über Stammgäste, die immer wieder gerne kommen. Diese nennen sich liebevoll „Inselbewohner“.

Aber das war noch lange nicht alles, was es im Thermalbad Vöslau zu sehen und zu erleben gibt. Natürlich gibt es weiter oben noch einen Kinderspielplatz, ein Beachvolleyball-Feld, eine Minigolf-Analge und das idyllische Waldbad am höchsten Punkt der Anlage. Dort oben befindet sich auch die Milchbar, von wo aus man einen wunderschönen Ausblick genießt, aber leider auch stattlich dafür bezahlen muss. Wer sich einen Kaffee gönnen will ist daher in der Maitalküche unten am Grünen Becken besser aufgehoben.

Eine weitere Besonderheit hier sind auch die Kabanen, die kleinen Wohnungen und Häuschen, die von Dauermietern bewohnt werden. Als Kabanen-Bewohner hat man den riesengroßen Vorteil auch außerhalb der Öffnungszeiten das gesamte Gelände – sowie die Schwimmbecken – benutzen zu können, auch in der kalten Jahreszeit, wenn das Thermalbad geschlossen hat. Für Stammgäste aus der unmittelbaren Nachbarschaft gibt es die Saisonkarte, mit welcher man zu den Öffnungszeiten im Thermalbad aus- und eingehen kann.

Das Thermalbad in Bad Vöslau ist weit über die Grenzen hinaus bekannt

Mit dem Titel „New York beneidet Bad Vöslau um seine Sommerfrische“ krönen heimische Medien das Thermalbad Vöslau mit überaus lobenden Worten und das zurecht. Selbst die New York Times hat das Thermalbad in einen Beitrag vom Juli 2026 erwähnt, in welchem es sich eigentlich um sechs besondere öffentliche Bäder in Wien handelt. Neben fünf Freibädern aus Wien wird eben auch das Thermalbad Vöslau als einiziges Nicht-Wiener-Bad darin erwähnt. Ob der New York Times bewusst ist, dass es sich um ein Bad in Wien und Umgebung handelt – völlig egal, Hauptsache es gibt gute Werbung, oder?

Wenn die Erholung aus bleibt ...

Nicht alle (speziell Einheimische) sind über diese Werbung besonders erfreut, da man hier durchaus auch die Ruhe zu schätzen weiß. Denn speziell in der sommerlichen Urlaubszeit verwandelt sich das Thermalbad an schönen Tagen (speziell am Wochenende) zu einem Hotspot für viel zu viele Tagesgäste aus Wien (… oder sonst wo her, die hier wahrscheinlich auch vergeblich die Erholung suchen). Zu solchen Stoßzeiten suchen so manche einheimische Badegäste das Weite.

Diebstähle und andere Unannehmlichkeiten

Seit 2026 hat sich hier etwas entwickelt, was man in der langen Thermalbad-Geschichte so noch nie erlebt hat: Diebstähle und Einbrüche. Erstmalig ist daher nun auch Security-Personal im Thermalbad zu sehen. Ob das mit der zunehmenden Popularität des Thermalbades zusammenhängt, oder ob es sich um ein rein regionales Problem handelt, das weiß man nicht so genau. Jedenfalls merken langjährige Badegäste durchaus einen Wandel im Publikum und in der Atmosphäre.

Beispielsweise sind die Toilettanlagen an heißen Wochenend-Tagen maßlos überfordert und es scheint so, als würde das Wasser im grünen Becken speziell am Nachmittag durch die unzähligen Badegäste zu kippen drohen. Jedenfalls merkt man das am Sonnencreme-Film auf der Wasseroberfläche und der dunklen Trübheit des ansonst so klaren Thermalwassers. Und stellenweise „brunzelt“ es im hüfttiefen Bereich nahe der Ursprungsquelle, ein Zustand der zu diesen Badezeiten dem Anspruch eines Thermalbades nicht wirklich gerecht wird.

Die schöne Zeit im Thermalbad Vöslau

Zumindest kann sich das grüne Thermalwasser-Becken durch den natürlichen Zu- und Abfluss über die Nacht ein wenig erholen und somit hat man als Badegast in der ersten Tageshälfte des folgenden Tages wieder bessere Wasserqualität. Aber so richtig fein wird das Thermalwasser erst wieder, wenn die Hauptsaison im September zu Ende ist. Die Nebensaison (Mai, Juni und September) ist jedenfalls die Zeit, wo man das Thermalbad wirklich in Ruhe entspannt genießen kann.

die seele baumeln lassen
Abbildung: Im Schatten der Föhren im oberen Teil des Thermalbades kann man die Seele baumeln lassen

Entspannung in der Hängematte

Die Seele baumeln lassen kann man an ruhigen Tagen hier im Thermalbad Vöslau auch ganz gut. Oben, bei der „Milchbar“, gibt es einige Bäume, die Metallhacken im Baumstamm befestigt haben. An diesen Metallhacken kann man seine eigene Hängematte befestigen und sich darin erholen. Von hier oben genießt man einen wunderschönen Blick auf die wunderschönen Platanen, die sich am grünen Becken befinden. Eine dieser Platanen steht direkt auf jener Insel, welcher dieser Beitrag gewidmet ist.