Können wir es uns leisten Träume zu haben und diese Träume zu verwirklichen? Die eigenen Träume zu leben und diese zu verwirklichen, kann im Sinne des Ikigai eine bereichernd wohltuende Inspirationsquelle sein. Der bekannte Maler und Architekt – Friedensreich Hundertwasser – hat in einem bemerkenswerten Zitat über das Träume haben unter dem Titel „Recht auf Träume“ schlussgefolgert: „Träume sind die letzte Zuflucht des Menschen, die letzten Königreiche, die ihm ganz gehören. Träume zerstören ist so, wie wenn man dem Menschen seine Wurzeln und seine Zukunft wegnähme und nichts bleibt, wonach er sich sehnen kann. Der Mensch lebt von Träumen. Wenn Träume ständig vernichtet werden, so wie dies in unserer rationalistischen Gesellschaft geschieht, so ist dies ein Verbrechen, denn die Träume sind die Vorbedingung menschlichen Schöpfertums.“ Ja, wir können Träume haben und dürfen unsere Träume auch verwirklichen.

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Abbildung: Träume sind wie Wegweiser, unser Mindset der Kompass, wo die Reise hingeht

Achtsamkeit beim Träumen

Doch gilt es achtsam mit unseren Träumen umzugehen und nicht dem Größenwahn zu verfallen, insbesondere wenn die eigenen Träume Einfluss nehmen auf andere Menschen, oder sogar Gesellschaften und ganze Kulturen. Wenn man sich das außergewöhnliche und zugleich dramatische Leben von Oscar Wilde ansieht, so zeigt dies einerseits, was man mit und durch seine Träume erreichen kann. Die Kehrseite der Medaille wurde speziell in Oscar Wildes letzten fünf Lebensjahren so dramatisch und traurig offenbart, dass man sich mit dieser Erkenntnis über sein Leben die Frage stellt, ob es gesund ist gewisse Träume haben zu können und diese auszuleben.

Die Antwort lautet: Ja, natürlich ist es gesund seine Träume zu haben und diesen Träumen auch Raum zur Entfaltung zu geben. Wer sein Ikigai – seinen Sinn des Lebens kennt und danach lebt, seine Träume verwirklicht und das offen ausleben kann, hat den eigenen Lebensweg vielleicht schon gefunden. Ureigenes Selbstvertrauen ist die Begleiterscheinung.

Über das Leben und die Träume von Oscar Wilde

„Es ist wichtig Träume zu haben, die groß genug sind, um sie nicht aus den Augen zu verlieren, während man sie verfolgt.“ Sinngemäß stammen diese Worte vom irischen Schriftsteller Oscar Wilde, der es durch seine literarischen Werke (u.v.a. der Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“) und Vortragsreihen zur Weltberühmtheit schaffte. Auch er lebte und verfolgte seine Träume, speziell in Bezug auf seine homosexuelle Ausrichtung, die sich unter anderem auch dadurch auszeichnete, dass Wildes bekannte Liebschaften wesentlich jünger waren als er selbst.

Die Homosexualität befeuerte Oscar Wilde in seinem Selbstfindungsprozess erst so richtig ab dem Jahr 1886, im Alter von 32 Jahren. In der damaligen Zeit war es mutig, mit der eigenen sexuellen Ausrichtung offen umzugehen. Aber Wilde ging damit sehr offen um und machte kein Geheimnis daraus. Schließlich führte jedoch genau das zu einem großen Skandal und einer gerichtlichen Verurteilung, was den Niedergang von Oscar Wilde einleitete. Er wurde verhaftet, wegen Unzucht angeklagt und nach einem zweiten Verfahren im Jahr 1895 – im Alter von 41 Jahren – zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit verurteilt. Letztendlich ausschlaggebend für die Verurteilung waren jedoch nicht seine bekannten Liebesbeziehungen (insbesondere das Verhältnis zu Lord Alfred Douglas), sondern sein heimlicher Umgang mit männlicher Prostitution, die aufgedeckt worden war.

Die Inhaftierung im Zuchthaus in Reading zerstörte Oscar Wildes Gesundheit nachhaltig, unter anderem auch durch die Isolation in Einzelhaft. Nach der Haftentlassung am 19. Mai 1897 flüchtete Oscar Wilde noch am selben Tag nach Paris um der gesellschaftlichen Verachtung ihm gegenüber in seiner Heimat zu entkommen. Dies war der letzte Tag auf britischem Boden – so hat er nie wieder seine Heimat gesehen.

Die letzten drei Lebensjahre verbrachte Oscar Wilde Großteils in Paris. Aus Angst nannte er sich nun Sebastian Melmoth und lebte mehr oder weniger versteckt, gesellschaftlich isoliert und in Armut. Seine Ehefrau verstarb ein Jahr nach der Haftentlassung ihres Ehemannes. Obwohl sie wusste, dass ihr Ehemann offensichtliche homosexuelle Beziehungen führte, hatte sie nie die Scheidung eingereicht. Jedenfalls verließ auch sie mit den Kindern das englische Heimatland und lebte unter anderem Namen den Rest ihres Lebens in Deutschland.

Oscar Wilde starb im Alter von nur 46 Jahren am 30. November 1900 in einem Pariser Hotel an den Folgen einer Hirnhautentzündung. So tragisch sein Leben auch verlaufen ist, so weitreichend war und ist auch sein Vermächtnis. Sein sozialistisches Wertesystem hat auch politische Spuren hinterlassen, insbesondere was das Privateigentum betrifft. Und es wurde sein moralischer Kompass in Frage gestellt und immer wieder diskutiert.

Oscar Wilde hat zu seinen Lebzeiten die Gesellschaft vor Rätsel gestellt. Die Öffentlichkeit kannte ihn als wortgewandten, überheblichen und überlegen Rhetoriker, der sich kein Blatt vor den Mund hat nehmen lassen. Er brachte mit seiner überzeugenden Scharfsinnigkeit unbequeme Wahrheiten der Gesellschaft ans Tageslicht und machte sich damit bei Weitem nicht nur Freunde. Diese narzisstisch geprägte Auffälligkeit, und sein daraus resultierender Stolz, können mitunter auch dafür verantwortlich gewesen sein, dass er die Schmach des Zuchthauses umso weniger verkraften konnte.

„Sie haben versprochen, dass Träume wahr werden können. Doch sie haben vergessen zu erwähnen, dass Albträume auch Träume sind.“

Dieses Zitat von Oscar Wilde beschreibt nun am besten die Quintessenz über das Träume haben. Die schmale Gratwanderung zwischen Selbstverwirklichung und Zerstörung – und wie viel es einem selbst wert ist, etwas zu riskieren und aufzugeben, um einen Traum zu verwirklichen.