Eigentlich ist es logisch und dennoch denken nur wenige Menschen bewusst daran, dass Weniger mehr sein kann. Es kommt uns speziell immer erst dann in den Sinn, wenn uns Vieles bereits viel zu viel ist. Aber dann ist es meistens schon zu spät und wir müssen mit den Konsequenzen leben. Aber warum ist das so und warum lernen wir Menschen in so vielen Dingen nicht dazu? Warum verfallen wir immer wieder in alte, gewohnte Muster und müssen es erst schmerzhaft immer wieder von Neuem erfahren, auf was es uns im Leben wirklich ankommt? Leben wir in einer sinnbildlichen Eierschale (… oder in einem goldenen Käfig?), führen darin unsere imaginäre Stricherlliste und zählen die Tage, bis wir uns eingestehen, dass es eigentlich ganz einfach ist, die Eierschale zu verlassen um die ersten Schritte in Freiheit tun zu können?

weniger ist mehr
Abbildung: mehr Platz für "Weniger" = weniger Platz für jedes einzelne "Mehr"

"Weniger ist mehr" als Frage von Qualität und Quantität

Dieses Bild soll verdeutlichen, dass ein großes „Weniger“ so viel Zeit und Zuwendung erhalten kann, wie viele „Mehr“ zusammen, die mehr oder weniger in der Bedeutungslosigkeit unter Vielen zu versinken drohen. Ein einziger leuchtender Stern am dunklen Himmel wird viel besser wahrgenommen, als jeder einzelne Stern unter vielen anderen Sternen. Es liegt an uns selbst, was wir mit der Zeit machen, die uns geschenkt ist. Wollen wir das eine Besondere (Qualität), was uns bewegt und vielleicht sogar fasziniert – oder wollen wir einfach immer nur noch mehr (Quantität)? Leben wir in Harmonie nach unserer Bestimmung oder sind wir Getriebene auf der Suche .. nach was eigentlich?

Mehr Platz für "Mehr" funktioniert nicht

In einer ökonomisch getriebenen und konsumorientierten Welt der vermeintlichen Habseligkeiten wird uns durch Werbung tagtäglich suggeriert, was wir nicht alles für unser Leben benötigen. In Wirklichkeit stapeln sich tausende nicht benutzte (oder im Idealfall zumindest einmal verwendete) Dinge in den überfüllten Kellern, Wandschränken und Abstellkammerln des Landes. Wenn es sich dann irgendwann einmal wirklich nicht mehr vermeiden lässt, nimmt man sich dann die vergeudete Lebenszeit, die mühevolle Räumung in Angriff zu nehmen, um Platz für Neues zu schaffen – und wofür? Um wieder den gesamten gewonnen Raum mit wahrscheinlich den gleichen nutzlosen Dingen neu befüllen zu können. Für so ein Verhalten gibt es tatsächlich auch Fachbegriffe, je nachdem in welcher Ausprägung sogenannter Konsumrausch betrieben wird. Jenes hier erwähnte Beispiel könnte man als „kompensatorischen Konsum im wiederkehrenden Konsumzyklus“ benennen.

Ist es aus objektiver Betrachtungsweise nicht traurig, wie sehr unnötiger Besitz und Konsum – sowie das Verlangen nach „mehr mehr mehr“ – verhindern kann, die Zeit seines Lebens einfach nur in Freude zu leben. Ist das nicht der wirkliche Verlust, der im Nachhinein so richtig schmerzen kann, wenn man zurück blickt und sich ansieht, wie viel Zeit man mit dem Ansammeln von Dingen verbracht hat, die man eigentlich gar nicht benötigt hat. Haben wir in unserer Überfluss-Gesellschaft verlernt den Blick auf Wesentliches ohne Verzicht zu behalten?

Oder wie traurig ist es, wenn man glaubt ein Penthouse haben zu müssen, mit einem Audi R8 vor der Türe, um im Leben erfolgreich sein zu können? Ist es lohnenswert sein Selbstvertrauen auf jene Maxime zu stützen, um vermeintlich geachtet zu werden? Und wann ist dann wirklich genug? Gibt es ein Ende für noch Mehr? Wieviel „Mehr“ braucht das eigene Ego um geachtet und satt zu werden? Spricht man dann von Qualitätsbewusstsein, wenn irgendwann das Luxusauto zu wenig ist? Wir glauben, dass das nicht funktionieren kann.

"Weniger ist mehr" als Form von Minimalismus ohne dem Gefühl von Verzicht

Für uns ist Minimalismus keine Form der Einschränkung. Insofern interpretieren wir dieses Wort nicht als eine Form von Verlust oder Verzicht, sondern vielmehr als eine Reaktion auf Wohlstandsverwahrlosung, die in einer Gesellschaft des Überflusses als Normalität wahrgenommen wird. Minimalismus sollte im Sinne von Effizienz, Umweltbewusstsein und logischem Denkvermögen als „normal“ angesehen werden.

Wenn "weniger ist mehr" normal ist, dann ist es kein Minimalismus

Für uns gehört das Motto „weniger ist mehr“ zum gelebten Alltag. Das hat eigentlich nichts mit Minimalismus zu tun, sondern mit dem Wunsch nach mehr Zeit für die schönen Momente im Leben, den Abenteuern und Erlebnissen, von dessen Erinnerungen man noch in vielen Jahren erzählen kann. Dahinter verbirgt sich nicht nur der Wunsch nach einem erfüllten Leben, sondern auch rein logisches Denken. Der Begriff „Minimalismus“ klingt irgendwie so negativ und abwertend, dabei stecken so viele positive Attribute in dieser Lebensphilosophie und entsprechenden Denkmustern:

  • Weniger Sorgen = mehr Frohsinn
  • Weniger Stress = mehr Gelassenheit
  • Weniger Angst = mehr Freiheit
  • Weniger Alltag = mehr Neues
  • Weniger Dinge = mehr Zeit … für was auch immer …

Menschen, die es spüren und etwas verändern wollen

Menschen die ähnliche Themen beschäftigen, gehören vielleicht auch zu jenen Denkern der Gegenwart, die in ihrer Eierschale eine Stricherlliste führen, bevor sie lernen die ersten sinnbildlichen Schritte ins eigene Bewusstsein zu tun. Es kann gut sein, dass jene Menschen der Minimalismus als Lebensphilosophie interessiert. Dann kann der Gedanke von Reduzierung auf Wesentliches – ohne dabei das Gefühl von Verzicht zu verspüren – ein befreiendes Gefühl in einem selbst auslösen. Wenn dem so ist, dann stimmt die Richtung, sich bewusst dafür zu entscheiden, auf etwas zu verzichten – die Eierschale des Besitzes zu verlassen – um seinen eigenen bewussten Weg gehen zu können.

Sinnbilder für "Weniger ist mehr"

Abbildung: der Bonsai Baum als Sinnbild dafür, dass weniger mehr sein kann

Der Bonsai-Baum

Ein Bonsai Baum ist klein, schlicht und in gewisser Weise reduziert – und trotzdem wirkt dieser Baum oft stärker und beeindruckender als ein anderer viel größerer Baum. Gerade weil alles Überflüssige entfernt wurde, kommt seine Schönheit klar zum Vorschein. Dies macht ihn ausdrucksvoller, nicht schwächer.

Ein aufgeräumter Schreibtisch

Auf einem vollgeräumten Schreibtisch liegen viele Dinge, die ablenken und sogar Stress verursachen können. Auf einem aufgeräumten und sauberen Schreibtisch liegt nur das, was wirklich benötigt wird. Damit kann man sich in der Regel besser konzentrieren und somit effizienter arbeiten. Weniger Dinge = mehr Klarheit und bessere Wirkung.

Liebe: kleine Gesten statt große Worte

Ein ehrliches „Ich bin für dich da“ kann mehr bedeuten als viele große Versprechungen. Eine stille Umarmung sagt manchmal mehr als tausend Worte. Weniger Worte können somit mehr echte Bedeutung inne haben.

Wirkung von Weniger in diversen anderen Bereichen

Eine kurze und klar formulierte Aussage hat mehr Wirkung als eine lange, komplizierte Erklärung. Die Wirkung von klaren und einfachen Strukturen sind auch bei Logos weltbekannter Marken (zB Apple) wahrzunehmen. So kann auch ein Gemälde mit nur wenigen Farben und Formen oft mehr Gefühle auslösen als ein überladenes Bild. Minimalistische Werke wirken oft ruhiger und stärker, weil nichts vom Wesentlichen ablenkt.