Wir alle sind schon mindestens einmal in unserem Leben irgendwo bei irgendetwas gescheitert, richtig? Wenn nicht, dann gehören Sie zu jenem unglücklichen Personenkreis, der den Wert des Scheiterns noch nicht erlebt hat. Das hat doch irgendetwas Jungfräuliches und zugleich Trauriges an sich, wenn man vermutlich deshalb noch keine Ziele im Leben hatte, noch nie etwas riskiert hat und für das eingestanden ist, was man selbst (und nicht andere) für richtig haltet, vielleicht auch keine Träume hat und vermeintlich gerade auch keinen Sinn dahinter sieht. Der Wert des Scheitern hat sich in der Vergangenheit schon oft nachträglich als großer Erfolg herausgestellt. Doch mehr dazu weiter unten im letzten Abschnitt dieses Beitrags – viel Vergnügen und Inspiration beim Lesen.

wert des scheitern

Was das Scheitern mit dem Sinn des Lebens zu tun hat

Ein nihilistischer Ansatz (keinen Sinn in irgendetwas zu sehen) – üblicherweise sind es kurze Phasen (bedenklich, wenn länger andauernd) – ist irgendwie momentan bedauerlich, aber es gibt auch eine gute Seite dahinter. Eine nihilistische Lebensphase kann laut Friedrich Nietzsche (deutscher Philosoph) in Form einer Übergangsphase zur Erkenntnis führen, da der Mensch nun durch diese Lebensphase seinen eigenen Sinn im Leben erschaffen kann. Hier bildet sich die Brücke zu Ikigai, einer japanischen Lebenskunst, die den Sinn des Lebens im Zentrum dieser Philosophie sieht.

Ich bin noch nie gescheitert, würde ja keinen Sinn machen

Wenn Sie sich vielleicht nun denken, dass Sie noch nie in ihrem Leben gescheitert sind und sich auch in überhaupt keiner Art und Weise in diesen Zeilen wiederfinden, dann wird Sie das Thema des Scheiterns vermutlich auch überhaupt nicht interessieren. Es ist dann irrelevant für Ihr Leben.

Wenn dem nicht so ist, und Sie gerade überhaupt keinen Sinn in irgendetwas sehen, schon gar nicht in diesen Zeilen – dann stecken Sie vielleicht gerade mitten im Scheitern und bemerken es vielleicht noch gar nicht. In diesem Fall würde aber der Wert des Scheiterns gerade rechtzeitig zum Tragen kommen. Die Erkenntnis, etwas im eigenen Leben (hoffentlich zum Positiven) zu verändern, ist ein Wert, der mit Geld nicht zu bezahlen ist.

Scheitern an der Tagesordnung, und dennoch ein Ziel / ein Sinn vor Augen

Menschen, die bereit sind etwas für ihre Überzeugungen zu riskieren, sind aller Wahrscheinlichkeit nach darin geprüft, mit dem Scheitern umzugehen. So wie es sich etwa im Leistungssport verhält. Dort steht das Scheitern an der Tagesordnung, unter dem Motto „7 mal hinfallen, aber 8 mal wieder aufstehen können“. Wer nichts riskiert, und stets in der Komfortzone verharrt, wird am Ende auch nichts gewinnen, oder dazu lernen. Denn die Erkenntnis (das dazu Lernen) kann die Folge des Scheiterns bedeuten und wer weiß, was in Zukunft diese Erkenntnis an richtig großem Gewinn bedeuten kann?

Über das Scheitern in der Vergangenheit

Ein historisches Paradebeispiel für den Wert des Scheiterns bezieht sich auf den ehemaligen schwedischen König Gustav II. Adolf, der im 17. Jahrhundert – zu einer Zeit als Schweden zu einer Großmacht aufstieg – das Reich regierte. Für seine junge und zugleich stolze Marine hat er ein prachtvolles Flaggschiff bauen – die Vasa – ein für damalige Verhältnisse riesengroßes Kriegsschiff mit 60 Kanonen, die über zwei Stockwerke im Rumpf beiderseits verteilt waren. Die Vasa war das Highlight des Reiches und zugleich Prestigeprojekt des Königs.

vasa - schwedisches segelschiff aus dem 17. jahrhundert
Abbildung: die Vasa - das geborgene schwedische Segelschiff aus dem 17. Jahrhundert in seinem Museum

Die Jungfernfahrt der Vasa am 10. August 1628 endete mit einer gewaltigen Katastrophe, bei der etwa dreißig Menschen ihr Leben verloren haben. Das riesige Segelschiff ist nach nur kurzer Fahrt noch im Heimathafen von Stockholm zur Seite gekippt (dadurch konnte Wasser in die seitlichen Kanonenöffnungen eintreten) und nur kurz danach restlos versunken, vor den Augen des Königs und vieler Schaulustiger, die den Feierlichkeiten der Jungfernfahrt beiwohnten.

Fassungslose Stille breitete sich in der Bevölkerung aus. Es lag ein Hauch von Fassungs- und Ratlosigkeit in der Luft, wobei insgeheim sehr wohl einige Beteiligte wussten, dass das Schiff für die Fahrt zur See nicht geeignet war. Der hohe Zeitdruck des Königs und gewisse bauliche Vorgaben bargen ein hohes Risiko. Die 69 Meter lange Vasa war zu hoch (64 Meter), dafür zu schmal (11,7 Meter breit) und die Grundkonstruktion war ursprünglich nur für ein Kanonendeck konzipiert. Das Schiff hat noch in der Bauphase gewisse Tests nicht bestanden, aber dennoch wurde ungeachtet dessen das Projekt vorangetrieben. Letztendlich konnte der Wind auf See das Schiff bei der Jungfernfahrt aus der Balance bringen, was zur Katastrophe und zum großen Scheitern des Königs führte.

Dreihundert weitere Jahre verbrachte die Vasa am Grund des Stockholmer Hafengebiets und geriet mit der Zeit sogar in allgemeine Vergessenheit, allerdings nur bis ins 20. Jahrhundert. Das salzarme Meerwasser der Region sorgte in der Zwischenzeit für eine Art Konservierung des Schiffwracks, was wiederum in der Neuzeit eine äußerst interessante Tatsache darstellte. Mit moderner Technik – die es zur Zeit des Unglücks noch nicht gab – war es nun möglich, in akribischer Feinarbeit und mit enormen Aufwand, die Vasa langsam aus ihrem Unterwassergrab zu befreien. Dies war eine Sensation für ganz Schweden, unter anderem auch deswegen, weil die Vasa weltweit das mit Abstand am besten erhaltene Schiffswrack aus dem Mittelalter ist.

Es wurde Aufgrund des enormen Wertes dieser Bergung (in mehrfacher Hinsicht für Forschung, Entwicklung, Technik, Bildung, etc … ) in unmittelbarer Nähe des Unglücksortes ein eigenes Museum für die Vasa als neue Heimat errichtet. Nun ist das Segelschiff in seiner vollen Größe über mehrere Etagen hinweg für die Allgemeinheit zugänglich gemacht worden.

Und somit wurde aus einem ruhmlosen Scheitern ein sensationeller Erfolg, der als solcher nun auch in die Geschichte eingeht.