Das lateinische Wort „aquae“ – der Plural von „aqua“ (Wasser) – war in der römischen Welt eine verbreitete Bezeichnung für Siedlungen an Thermal- oder Mineralquellen. Als Ortsname verwies aquae zunächst auf die örtlichen „Wässer“ beziehungsweise Quellen und erst mittelbar auf einen Bade- oder Heilort. Aquae schlicht mit „römischer Kurort“ zu übersetzen, wäre daher zwar anschaulich, begrifflich jedoch nicht ganz präzise.
Der Begriff „Kurort“ bezeichnet einen Ort, an dem medizinische Behandlung, Beherbergung und ein organisierter Kurbetrieb zusammentreffen. Römische Quellenorte konnten vergleichbare medizinische, religiöse, gesellschaftliche und wirtschaftliche Funktionen erfüllen, entsprachen aber nicht diesem modernen Modell. In funktionaler und kulturgeschichtlicher Hinsicht lassen sie sich dennoch als Vorläufer heutiger Thermal- und Heilbäder betrachten. Einzelne Elemente der römischen Badekultur wirkten in späteren Epochen fort oder wurden – teilweise nach längeren Unterbrechungen – wieder aufgegriffen.
Erklärung zur begrifflichen Einordnung von Aquae
Das Wort „aquae“ bezeichnet die Quellen beziehungsweise den davon geprägten regionalen Ort. Das Wort „thermae“ bezeichnet gewöhnlich eine größere öffentliche römische Badeanlage und „balneum“ oder „balnea“ bezeichnet ein Bad oder kleinere Badeanlagen. Ein Ort namens „Aquae“ musste also nicht einfach mit einem einzelnen Thermengebäude in Verbindung stehen.
Weil es im römischen Reich zahlreiche solcher Quellenorte gab, wurde Aquae häufig durch einen Zusatz näher bestimmt. Dieser konnte sich auf eine Provinz / Region, eine Gottheit, einen Kaiser oder eine besondere Eigenschaft des Wassers beziehen. Die heutige Kurstadt Baden bei Wien kann mit Stolz von sich behaupten, Aquae in seiner antiken Reinfrom für sich in Anspruch nehmen zu können:
- Aquae: „die Wässer/Quellen“, heutiger Ort: Baden bei Wien, Österreich
- Aquae Sulis: „die Wässer der Sulis“, heutiger Ort: Bath, England
- Aquae Mattiacorum: „die Wässer der Mattiaker“, heutiger Ort: Wiesbaden, Deutschland
- Aquae Flaviae: „die flavischen Wässer“, heutiger Ort: Chaves, Portugal
- Aquae Helveticae: „die helvetischen Wässer“, heutiger Ort: Baden im Aargau
Das Beispiel von Aquae Sulis
Sulis war eine einheimische Göttin im britannischen Bath, die in römischer Zeit mit Minerva verbunden wurde. Der Name bedeutet daher nicht „Wässer der Sonne“, sondern „Wässer der Sulis“. Die antiken Straßenverzeichnisse überliefern auch die Form Aquis Sulis, also eine flektierte Kasusform des Ortsnamens. Die römischen Bäder von Bath bestätigen die Verbindung von heißer Quelle, Kult und Badebetrieb besonders deutlich, daher auch diese gesonderte Erklärung.
Aquae, das heutige Baden bei Wien
Das römische Baden bei Wien wird im Itinerarium Antonini (das römische Straßenverzeichnis) unter dem Namen „Aquis“ genannt. In der älteren Forschung und in neueren populären Darstellungen begegnen daneben die Bezeichnungen „Aquae Pannoniae“ und „Aquae Pannonicae“. Da der entsprechende Zusatz in der antiken Straßenquelle jedoch fehlt, sollten diese Formen nicht ohne Einschränkung als authentische antike Ortsnamen verwendet werden. Baden bei Wien ist daher tatsächlich nur „Aquae“ oder „Aquis“. Aquae Pannoniae ist als erklärende oder gelehrte Bezeichnung verständlich, aber quellenkritisch nicht gleichwertig.
Die Gleichsetzung des antiken Aquae mit Baden bei Wien
Die Gleichsetzung des antiken Aquae mit Baden bei Wien ist gut begründet. Das spätantike, in seiner erhaltenen Form ungefähr um 300 n. Chr. redigierte Itinerarium Antonini, nennt an der Straße zwischen Vindobona (Wien) und Scarbantia (Sopron in Ungarn) eine Station in der Form Aquis. Die angegebenen Entfernungen passen zu Baden bei Wien. In der Forschung wird der Ort deshalb mit dem dort archäologisch nachgewiesenen römischen Siedlungs- und Badeplatz identifiziert.
Aquis Aquae
Der von den Römern für Badeorte und Städte mit Quellen häufig gebrauchte Name „Aquae“ und die auf das heutige Baden bei Wien genau zutreffenden Entfernungen (18 röm. Meilen = 26,667 km, Luftlinie Wien, Hoher Markt – Baden: 24 km; 31 röm. Meilen = 45,926 km, Luftlinie Baden – Ödenburg: 44 km) genügen aus, die Gleichsetzung der durch Funde nachgewiesenen Ansiedlung mit dem „Aquis“ des Itinerarium Antonini hinreichend sicherzustellen. Eine archäologische Darstellung fasst die Route als „Vindobona – Aquis – Scarbantia“ zusammen und begründet die Lokalisierung ausdrücklich mit den Entfernungsangaben und den römischen Funden.
Die einfachste und korrekteste Bezeichnung lautet daher: Das im „Itinerarium Antonini“ als „Aquis“ genannte „Aquae“ wird aufgrund der antiken Entfernungsangaben und der römischen Funde mit Baden bei Wien identifiziert.
Aquae als Zwischenstation im römischen Straßennetz
Die Siedlung lag damit nicht isoliert, sondern war in das Straßennetz zwischen Vindobona und Scarbantia eingebunden. Die warmen Schwefelquellen bildeten den besonderen Standortfaktor. Das Land Niederösterreich – Denkmalbroschüre Band 56 – Seite 17 datiert die erste schriftliche Erwähnung als Aquae in das 3. Jahrhundert n. Chr. und lokalisiert die antiken Badeanlagen im Bereich des heutigen Kongresshauses und der Sommerarena in unmittelbarer Nähe des Kurparks.
Aquae als Zwischenstation im römischen Straßennetz
Die Siedlung lag damit nicht isoliert, sondern war in das Straßennetz zwischen Vindobona und Scarbantia eingebunden. Die warmen Schwefelquellen bildeten den besonderen Standortfaktor. Das Land Niederösterreich – Denkmalbroschüre Band 56 – Seite 17 datiert die erste schriftliche Erwähnung als Aquae in das 3. Jahrhundert n. Chr. und lokalisiert die antiken Badeanlagen im Bereich des heutigen Kongresshauses und der Sommerarena in unmittelbarer Nähe des Kurparks.
Zur Geschichte von Aquae, dem heutigen Baden bei Wien
Das römische „Aquae“, das heutige Baden bei Wien, entwickelte sich an den warmen Schwefelquellen der niederösterreichischen Thermenlinie. Weihaltäre für die Nymphen und für Salus, Reste eines Hypokaustums sowie Ziegelstempel mehrerer Legionen belegen die religiöse, gesundheitliche und wirtschaftliche Bedeutung des Quellenortes. Da bislang nur begrenzte Baureste bekannt sind, bleiben Ausdehnung, bauliche Gestalt und rechtlicher Status der Siedlung jedoch weitgehend ungeklärt. Aquae kann deshalb als römischer Quellen- und Badeort beschrieben werden.
Die Thermenanlage von Aquae wird in der Literatur teilweise als militärische Kuranstalt oder sogar als Militärspital bezeichnet. Für eine solche Funktion spricht insbesondere ein vor 114 n. Chr. zu datierender Nymphenaltar, der von der damals in Carnuntum stationierten Legio XV Apollinaris gestiftet wurde. Auch der Salusaltar des P. Geminius sowie Ziegelstempel der in Carnuntum und Vindobona stationierten Legionen weisen auf enge Beziehungen zum Militär hin. Wahrscheinlich nutzten Soldaten die warmen Schwefelquellen zur Erholung oder Genesung. Ein eigenständiges Militärlazarett im engeren Sinne eines römischen valetudinarium konnte in Aquae bislang jedoch nicht eindeutig archäologisch nachgewiesen werden.
Eine weitere sehr ausführliche Zusammenfassung zur Geschichte von Aquae (Baden bei Wien) gibt es auf www.imperiumromanum.com nachzulesen.




