Die Geschichte von San Marino ist außergewöhnlich. San Marino gilt als die älteste Republik der Welt und blickt auf eine über 1.700-jährige Geschichte zurück. Seit dem Jahr 2008 gehört die Altstadt von San Marino und der Monte Titano zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die außergewöhnlich gut erhaltene mittelalterliche Architektur und die lange ereignisreiche Geschichte republikanischer Unabhängigkeit sind die wichtigsten Gründe dafür. Die Altstadt mit den mittelalterlichen Befestigungen auf dem Monte Titano sind äußerst gut erhalten und entsprechend beliebt bei Touristen in der Gegenwart. Doch springen wir nun zurück ins Jahr 301 n. Chr. – zum Zeitpunkt der Gründung von San Marino hier am Monte Titano.
Die Gründung von San Marino im Jahr 301 n. Chr.
Der Überlieferung nach wurde San Marino im Jahr 301 n. Chr. vom Steinmetz Marinus gegründet. Er stammte von der Insel Rab (im heutigen Kroatien) und floh zunächst nach Rimini um Arbeit zu finden und vor der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian. Die Christenverfolgung unter diesem Kaiser war die letzte und schwerste im Römischen Reich. Der heilige Marinus entzog sich erfolgreich dieser Verfolgung und flüchtete direkt auf den Monte Titano, wo er 301 n. Chr. eine erste christliche Gemeinschaft gründete. Daraus entstand später die Republik San Marino.
Tipp: In unserem YouTube-Video über San Marino gibt es ein paar historische Einzelheiten und Bilder der historischen Stätten am Monte Titano zu sehen.
San Marino im Mittelalter
Im Mittelalter entwickelte sich San Marino zu einer unabhängigen Stadtrepublik. Durch die Lage auf dem schwer zugänglichen Monte Titano konnte es sich gegen zahlreiche Angriffe erfolgreich zur wehr setzen. Im 13. Jahrhundert (im Jahr 1243 n. Chr.) ist die bis heute bestehende Regierungsform – mit den zwei Capitani Reggenti (Regierenden Hauptmännern), die alle sechs Monate neu gewählt werden – entstanden. Dieses System gehört zu den ältesten noch praktizierten demokratischen Institutionen der Welt. Ein Parade-Beispiel dafür, wie Demokratie langfristig funktionieren kann.
Die Verfassung von San Marino
Im Jahr 1600 wurden die sogenannten Statuti di San Marino verabschiedet. Diese Gesetzessammlung bildet bis heute die Grundlage des Staatswesens und zählt zu den ältesten noch gültigen Verfassungen der Welt. Die Statuten bauten auf älteren Gesetzen und Gewohnheitsrechten auf, die bereits seit dem Mittelalter gegolten haben. Im Jahr 1600 wurden diese Statuten systematisch zusammengefasst und offiziell beschlossen, um die Verwaltung und Rechtsprechung des Staates dauerhaft zu regeln.
Die Statuten bestehen aus sechs Büchern, die verschiedene Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens behandeln:
- Verfassungsrecht und Staatsorganisation: Aufbau der Regierung und der öffentlichen Ämter.
- Verwaltung: Aufgaben und Pflichten der Behörden.
- Zivilrecht: Eigentum, Verträge, Erbrecht und Familienangelegenheiten.
- Strafrecht: Straftaten und Strafen.
- Gerichtsverfahren: Regeln für Prozesse und Rechtsprechung.
- Finanzen und Gemeinwesen: Steuern, öffentliche Ausgaben und weitere Verwaltungsfragen.
Diese Statuten legten viele Grundprinzipien fest, die San Marino bis in die Gegenwart prägen:
- Gewaltenteilung und geregelte Staatsämter.
- Begrenzte Amtszeiten, um Machtkonzentration zu verhindern.
- Die Wahl von zwei Capitani Reggenti, die gemeinsam als Staatsoberhaupt dienen und jeweils nur sechs Monate im Amt sind.
- Die Bindung staatlichen Handelns an festgelegte Gesetze.
Obwohl San Marino heute moderne Gesetze und internationale Verträge übernommen hat, bilden die Statuti di San Marino weiterhin den historischen Kern der Rechtsordnung. Viele ihrer Bestimmungen wurden im Laufe der Jahrhunderte angepasst oder durch neuere Gesetze ergänzt, doch die Statuten selbst sind nie vollständig außer Kraft gesetzt worden. Das macht San Marino außerordentlich attraktiv und besonders.
Napoleon und die Einigung Italiens
Während der napoleonischen Kriege respektierte Napoleon Bonaparte die Unabhängigkeit San Marinos und bot sogar eine Gebietserweiterung an. San Marino lehnte dies ab, um seine Neutralität und Stabilität zu bewahren. Im 19. Jahrhundert unterstützte San Marino den italienischen Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi, indem es ihm Zuflucht gewährte. Nach der Einigung Italiens wurde die Unabhängigkeit San Marinos von Italien anerkannt.
San Marino zur Zeit der beiden Weltkriege
Im Ersten Weltkrieg blieb San Marino offiziell neutral und wurde in keine Kampfhandlungen verstrickt. Jedoch am 24. Mai 1915, dem Tag des italienischen Kriegseintritts, schloss die Republik von San Marino mit Italien ein Abkommen, in dem sie sich verpflichtete, ihre Neutralität so auszuüben, dass die italienischen Kriegsanstrengungen nicht beeinträchtigt wurden. Dazu gehörte insbesondere, italienischen Deserteuren und Militärflüchtlingen kein Asyl zu gewähren und keine Handlungen zu dulden, die Italien militärisch oder politisch schaden konnten. Trotz dieser Vereinbarung blieb San Marino formal ein neutraler Staat. Im weiteren Verlauf des Krieges entsandte das Land jedoch freiwillige Sanitätskräfte zur Unterstützung Italiens, und einzelne Bürger meldeten sich freiwillig zum Dienst auf italienischer Seite.
Auch im Zweiten Weltkrieg erklärte San Marino Neutralität. Dennoch wurde das Land 1944 in Kampfhandlungen hineingezogen und zeitweise von deutschen Truppen besetzt. Außerdem nahm San Marino zehntausende Flüchtlinge aus Italien auf – deutlich mehr Menschen, als San Marino selbst Einwohner hatte.
San Marino der Gegenwart
Heute ist San Marino einer der kleinsten Staaten der Welt. Mit rund 34.000 Einwohnern ist San Marino einer der bevölkerungsärmsten souveränen Staaten in Europa. Die Wirtschaft basiert vor allem auf Tourismus, Finanzdienstleistungen, Briefmarken und Münzen sowie kleineren Industriebetrieben. San Marino ist bislang (Stand: Juli 2026) nicht Mitglied der Europäischen Union, nutzt aber Aufgrund einer Vereinbarung mit der EU den Euro als Währung.
Video: Am Monte Titano in San Marino
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