Die imposante und große historische Stätte von Paestum (ursprünglich griechisch: Poseidonia) südlich von Salerno liefert deutliche Hinweise auf die griechische und später römische Besiedelung von Italien in der Antike. Grund genug für Kathi und Markus vom pomalo pomalo-Team, sich das Areal des Archäologischen Parks in Paestum genauer anzusehen.

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Abbildung: die mächtigen Überreste des Neptun- oder Poseidon-Tempel (oder Hera-Tempel II) in Paestum

Die drei großen Tempel von Paestum

Innerhalb der gegenwärtigen Anlage des Archäologie Park Paestum befinden sich die bemerkenswert gut erhaltenen Ruinen von drei antiken Tempeln im dorischen Stil. Der älteste Tempel (bekannt unter mehreren Namen: Basilika, Hera-Tempel I – es ist bis heute ungewiss, welcher Gottheit dieser Tempel ursprünglich wirklich gewidmet war) wurde zwischen den Jahren 560 – 520 v. Chr. errichtet. Nur etwa 10 Jahre später (510 v. Chr.) ist etwa 550 Meter weiter nördlich ein zweiter Tempel entstanden: der Tempel der Athena (dies ist gewiss). Weitere 50 Jahre später (460 v. Chr.) errichteten die Bewohner vom damals noch lautenden Poseidonia den jüngsten und zugleich größten griechischen Tempel in Paestum, nur etwa 50 Meter weiter nördlich des ältesten Tempel Hera 1. Dieser mächtige, und heute noch äußerst beeindruckende dorische Tempel wird gemein hin (auch vom Archäologie Park Paestum selbst) „Tempel des Neptun“ genannt, wobei diese Benennung aus historischer Sicht vrewirrend sein kann.

Da Neptun ein römischer Gott ist – der Gott des Meeres – muss er zwangsläufig ursprünglich in griechischer Zeit zumindest den Namen „Tempel des Poseidon“ (Griechischer Gott des Meeres) getragen haben. Aber auch das ist nicht gewiss, und so nennt man diesen Tempel auch „Hera-Tempel II“. Jedenfalls haben außer dem grundsätzlichen dorischen Baustil alle drei Tempel gewisse Gemeinsamkeiten:

  • Alle drei Tempel stehen in ihrer Längsrichtung parallel zueinander – von Westen nach Osten gerichtet
  • Die Eingänge befinden sich allesamt im Osten – Richtung Inland und Sonnenaufgang
  • Demnach ist die Rückseite der Tempel dem Meer zugewendet

Zwischen dem „Tempel des Neptun“ (Hera-Tempel II) und des etwa 500 Meter weit entfernten „Tempel der Athena“ hat sich das Stadtzentrum (in römischer Zeit: Forum, in griechischer Zeit: Agora), sowie weitere bedeutende Gebäude, wie das Amphitheater, Comitium (römisch), Ekklesiasterion (griechisch) und das örtliche „Krankenhaus“ befunden.

Diese drei Tempel wurden innerhalb von nur 100 Jahren (560 – 460 v. Chr.) von der Gründer-Zivilisation Poseidonias in der Blütezeit der Stadt errichtet. Die Römer haben diese Heiligtümer (bzw. die gesamte Stadt und Region) ab dem Jahr 273 v. Chr. übernommen, umbenannt und auch entsprechend der römischen Zivilisation umgestaltet. Am besten erhalten geblieben sind vom römischen Umbau die Tempelanlagen, sowie das ursprüngliche rasterförmige Straßennetz. Die griechischen Wohnhäuser hingegen wurden fast zur Gänze durch römische Häuser ersetzt.

tempel des neptun paestum
Abbildung: ungewöhnlich hohe Stufe ins Heiligtum des Neptun-Tempels

Wer den Neptun-Tempel betritt, trifft auf eine Besonderheit, die diesen Tempel von anderen ähnlichen Tempeln unterscheidet. Nicht nur, dass die Stufen des Podiums ziemlich hoch sind – fällt beim Eintritt zur „Cella“ – dem innersten Heiligtum des Tempels – auf, dass die letzte Stufe ins Heiligtum übermenschliche Dimensionen hat. Ein antiker Besucher musste die originale 82 Zentimeter hohe Stufe hinauf klettern, um sich mit der Gottheit des Tempels auf einer Ebene zu befinden. Die wahrscheinlichste Erklärung für diese hohe Stufe liegt darin begründet, dass diese Stufe nur für Götter gebaut worden ist und nicht für Menschen.

Immerhin war die Cella eines Tempels damals ja auch nur für die Götter (Das Haus der Gottheit) errichtet und nicht für Menschen. Insofern wurde der Innenraum des Tempels auch nicht für Zeremonien verwendet, sondern stand die meiste Zeit leer (im Sinne, dass sich keine Besucher hier aufgehalten haben) für die Gottheit selbst. Nur wenige Menschen durften die Cella des Tempels für Reinigungs- und Reparaturarbeiten betreten. Zeremonien und Opfergaben haben stets vor den Tempeln auf den dafür bestimmten Altären stattgefunden.

Beispiele für den Umbau vom griechischen Poseidonia hin zum römischen Paestum

Das griechische Ekklesiasterion (damaliger kreisförmiger Versammlungsort von Poseidonia) nördlich neben dem Amphitheater wurde nach der römischen Übernahme komplett zugeschüttet (bzw. überbaut), da es von den Römern nicht genutzt wurde. Anstelle dessen bauten die Römer südwestlich des Amphitheaters (ebenfalls gleich daneben) das Comitium, was dem römischen Pendant des griechischen Ekklesiasterion entspricht: der kommunale Versammlungsort von Paestum. Der Ortswechsel des Versammlungsortes lag wahrscheinlich darin begründet, dass sich der Eingang des Comitium nun direkt am römischen Form befunden hatte. Dies ist aber eines der deutlichen baulichen Veränderungen von Poseidonia hin zu Paestum in der Spätantike.

In unserem 25 Minuten langem Kurzfilm über unseren Besuch von Paestum gibt es viele weitere Erklärungen und interessante Einblicke in die antike Welt der Griechen und dessen, was die antike römische Zivilisation vor dem Untergang daraus gemacht hat.

Video: Paestum - auf den Spuren der Römer und griechischer Antike im Süden von Italien

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Die Mauern von Paestum über den Böden von Poseidonia

Wie in unserem Kurzfilm ebenfalls zu sehen ist, ist der Blick in die Vergangenheit auch ein Blick unter die Erde – und somit unter das, was heute an der Oberfläche zu sehen ist. Insofern besteht die Vergangenheit aus Schichten. Will man etwas über die griechischen Wohnhäuser von Poseidonia erfahren, so muss man unter die römischen Mauerreste der Wohnhäuser von Paestum blicken. So kann man man etwa ab einer Tiefe von 30 Zentimetern (mancherorts sogar bis zu 2 Meter) noch viele Überreste der griechischen Zivilisation im heutigen Paestum finden. Die Römer haben in den Wohnhaus-Vierteln einfach massiv über die alten griechischen Mauern hinweg neue Häuser gebaut oder viele bauliche Veränderungen bewerkstelligt.

Archäologisch handelt es sich um eine vertikale Stratigraphie: Aufeinanderfolgende Bauphasen lagern sich übereinander ab. Ältere Baustrukturen werden dabei häufig überbaut und teilweise erhalten, sodass sich die Geschichte eines Ortes Schicht für Schicht rekonstruieren lässt.

Der Verfall von Paestum

Wie bereits erwähnt, erlebte Poseidonia vor der römischen Übernahme (Zeit des Tempel-Baus) seine Blütezeit. Die Römer haben nach der Eroberung im Jahr 273 v. Chr. nicht gleich den Untergang der Stadt eingeleitet, jedoch ist mit dem allmählichen Niedergang des römischen Reiches bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. auch Paestum seinem Verfall zum Opfer gefallen. Es hat eine Abwanderung stattgefunden und die Gegend ist zunehmend versandet und versumpft, bis die einstig so wohlhabende Stadt Paestum vollständig in Vergessenheit geraten ist. Erst viele hunderte Jahre später – ab dem 18. Jahrhundert – wurde mit der archäologischen Aufarbeitung von Paestum begonnen.

Die Neuentdeckung von Paestum

Die Geschichte der archäologischen Ausgrabungen in Paestum lässt sich in zwei Phasen einteilen:

  1. Beginn der Aufarbeitung im 18. Jahrhundert
  2. Ausgrabungen dem frühen 20. Jahrhundert

Archäologische Aufarbeitung im 18. Jahrhundert

Nachdem die Tempel um das Jahr 1750 im Zuge des Straßenbaus zwischen Neapel und Kalabrien wieder größere Aufmerksamkeit erhielten, haben erste Untersuchungen und Freilegungen stattgefunden. Diese waren allerdings noch keine wissenschaftlichen Ausgrabungen, sondern dienten vor allem der Dokumentation der monumentalen Tempel und weckten das Interesse der Reisenden des sogenannten Grand Tours.

Aufarbeitung ab dem 20. Jahrhundert

Die ersten systematischen archäologischen Ausgrabungen haben erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter der Leitung des Archäologen Vittorio Spinazzola begonnen. Dabei wurden nicht nur die drei Tempel, sondern auch die Straßen und große Teile der antiken Stadt freigelegt. In den folgenden Jahrzehnten gelangen weitere bedeutende Entdeckungen:

  • Im Jahr 1934 wurde das Heiligtum der Hera an der Sele-Mündung entdeckt.
  • Im Jahr 1968 fand man das berühmte Tomba del Tuffatore („Grab des Tauchers“), das einzige vollständig erhaltene Beispiel griechischer Wandmalerei aus der klassischen Zeit in der Magna Graecia.

Archäologischer Park Paestum der Gegenwart

Der heutige Archäologische Park Paestum gehört zusammen mit der Ausgrabungsstätte von Velia zu den Archäologischen Parks von Paestum und Velia. Er steht unter der Verwaltung des italienischen Kulturministeriums und zählt seit dem Jahr 1998 zum UNESCO-Welterbe. Seine Aufgabe ist nicht nur die Erhaltung der antiken Bauwerke, sondern auch deren wissenschaftliche Erforschung, Restaurierung und Vermittlung an die Öffentlichkeit.