Die Geschichte des Laufsports beginnt grundsätzlich bereits mit der Entstehungsgeschichte der Menschheit. Solange es den Menschen gibt, solange wird auch schon gelaufen, jedoch in unterschiedlichen Epochen mit jeweils anderen Motiven. Kathi und Markus vom pomalo pomalo-Team entdecken leidenschaftlich gerne die Geschichte und Historisches aus unserer Welt im Laufschritt. Dies hat uns zu der Frage geführt, wie die Geschichte des Laufens über viele Jahrtausende hinweg bis in die Gegenwart entstanden ist.

laufen ums kolosseum
Abbildung: Wir entdeckend laufend die Geschichte unserer Welt, hier beim Kolosseum in Rom

Das Interesse an Geschichte und Laufen

Unser großes Interesse an Geschichte und dem Laufsport hat uns unter anderem auch nach Rom – die ewige Stadt – geführt. So hat es Markus sich nicht nehmen lassen, viele der interessantesten historischen Sehenswürdigkeiten in Rom im Rahmen eines 35 Kilometer langen Sightseeing-Runs durch die Stadt zu besuchen. Dieser Lauf führte am Vatikan, der Engelsburg, dem Pantheon, dem Circus Maximus, dem Kolosseum, dem Piazza Navona (wo das erste römische Leichtathletik-Stadion des Domitian gestanden ist), der spanischen Treppe und vielen anderen Sehenswürdigkeiten vorbei. Logischerweise kann man bei so einem Entdeckungslauf sich nicht eingehend mit jeder einzelnen Sehenswürdigkeit beschäftigen. Dafür muss man sich in Ruhe die nötige Zeit nehmen. Was jedoch äußerst interessant ist bei so einem Sightseeing-Erlebnis, ist die Möglichkeit die geografische und räumliche Distanz der gesamten Erkundungsfläche von Rom einzufangen. So wissen wir nun, wie lange zum Beispiel Julius Cäsar in seinen jungen Jahren von seinem Wohnort in der Suburra zu seinem Arbeitsplatz im Forum Romanum gegangen ist. Sein damaliger Arbeitsweg verlief auf der heutigen Via Cavour in etwa von der U-Bahnstation Cavour bis zum Forum. Für diesen Weg hat er etwa 8 – 10 Minuten benötigt. Dies und viele andere Details ergeben sich, wenn man auf den tatsächlichen Fußspuren der Geschichte mit offenen Augen unterwegs ist. Doch nun zum eigentlichen Thema dieses Beitrags.

Laufen in der Urzeit

geschichte des laufens
Abbildung: so haben die Spuren des Laufens in der Urzeit ausgesehen

Das Laufen als natürliche Form der Fortbewegung reicht extrem weit  in unsere Geschichte zurück. Das Laufen ist tief in unserer Evolution verankert. Vieles, was wir heute über das Laufen wissen, kommt aus der Anthropologie, der Evolutionsbiologie und der Archäologie. Forscher gehen davon aus, dass der frühe Homo sapiens (und auch ältere Arten wie Homo erectus) besonders gut im Langstreckenlaufen war. Dies hatte überlebensnotwendige Gründe. Menschen jagten Tiere nicht durch Sprinten, sondern durch langes Verfolgen. Der Mensch konnte stundenlang traben (heute würden wir Joggen dazu sagen), bis das Tier erschöpft zusammenbrach. Diese Jagdtechnik wird heute noch von indigenen Gruppen wie den San in Afrika (Kalahari-Wüste) angewendet. Die Ausdauerjagd (auch Hetze genannt) ist eine besonders effektive Jagdmethode. Die Jäger verfolgen ihr Beutetier (zB Antilopen) solange, bis das Tier vor Erschöpfung zusammenbricht. Diese Methode erfordert enorme Ausdauer. Der aufrechte Gang hat es dem Menschen von damals ermöglicht sich effizienter fortzubewegen als seine vierbeinigen Vorgänger, was ihm auch bei dieser Jagdform einen entsprechenden Vorteil verschaffte. Somit hatte der Urzeit-Mensch auch in der Savanne einen besseren Überblick über das Jagdrevier. Das Laufen als Sportart war zu dieser Zeit noch lange kein Thema.

Laufen in der Antike

römische sandalen aus der antike
Abbildung: Rekonstruktion einer römischen Sandale aus Leder

Das Laufen hat in der Antike für den Menschen einen neuen Stellenwert bekommen. Nach der Urzeit (also nachdem Laufen vor allem das Überleben gesichert hat) kam der nächste große Entwicklungsschritt, als das Laufen kulturelle, militärische und sportliche Bedeutung bekam. Das geschah nicht plötzlich, sondern in mehreren Phasen. Einen großen Entwicklungsschritt jedoch machte der Mensch durch die Erfindung von Schuhwerk, wie den Sandalen, welche unter anderem dem römischen Reich zu seinem großen Erfolg verholfen haben. Die antike römische Sandale erlaubte es den Legionären, weite Strecken zurückzulegen. Die gute Durchlüftung und der Beschlag der Sohle (Vergleichbar mit Trailrunning-Schuhen der Gegenwart) sorgten unter anderen Aspekten der römischen Geschichte dafür, dass sich das römische Reich in geografischer Weite so schnell entwickeln konnte. Hinsichtlich Funktionalität waren diese antiken Schuhe vergleichbar mit modernen Barfußschuhen, welche wir in Dalmatien getestet haben.

barfußschuh für den strand
Abbildung: Ein moderner Barfußschuh von Vivobarefoot

Im antiken Griechenland wurde Laufen erstmals als sportlicher Wettbewerb veranstaltet. Die Olympischen Spiele der Antike (ab 776 v. Chr.) hatten bereits verschiedene Laufdisziplinen:

  • Stadionlauf: Der älteste Wettbewerb, der über die Länge eines Stadions in Olympia (etwa 192 Meter) führte. Er war der Höhepunkt des sogenannten „Gymnikos Agon“ Nacktwettkampfes.
  • Doppellauf (Diaulos): Dieser Lauf-Wettbewerb verlief über die doppelte Distanz des Stadions (ca. 400 Meter), bei dem die Athleten nach der Hälfte wendeten und zurück zum Start liefen.
  • Langlauf (Dolichos): Dies war ein Ausdauerlauf mit unterschiedlichen Distanzen von ca. 1.300 Meter bis 4.600 Meter.
  • Waffenlauf (Hoplitodromos): Der Waffenlauf wurde im Jahr 520 v. Chr. eingeführt. Dabei liefen die Athleten in Rüstungen. Ursprünglich trugen sie Helm, Beinschienen und Schild – später nur noch Helm und Schild.
  • Pentathlon (Fünfkampf): Laufen war Teil des Fünfkampfs, der zusätzlich Ringen, Weitsprung, Speerwurf und Diskuswurf umfasste. 

Die Lauf-Wettbewerbe fanden in der Regel an einem Nachmittag statt und waren ein fester Bestandteil der antiken Olympischen Spiele, die bis ins Jahr 393 n. Chr. stattgefunden haben. Laufen wurde im antiken Griechenland grundsätzlich als Teil von Ruhm und Ehre angesehen, und sogar für religiöse Zwecke angewendet. Laufen hatte im antiken Griechenland aber auch eine politische, strategische, funktionelle und wirtschaftliche Bedeutung. So gab es Botenläufe, die von professionellen Läufern durchgeführt worden sind. Diese überaus ausdauernden Männer liefen andauernd zwischen griechischen Städten und Kriegsschauplätzen hin und her um als Kommunikationsmittel wichtige Nachrichten zu überbringen.

Die Geschichte des Marathons

Der legendäre Lauf des Pheidippides ging aus dieser Tätigkeit des Nachrichten-Übermittelns heraus in die Geschichte der Menschheit als die Geburtsstunde des „Mythos Marathon“ ein und machte die kleine griechische Ortschaft „Marathon„, welche sich etwa 34 Kilometer nord-östlich von Athen befindet, weltberühmt.

Doch hatte der ursprüngliche antike Marathon eigentlich nichts mit dem heutigen 42,195 Kilometer langen Wettbewerb zu tun. Lediglich der Name wurde ohne wirklichen Zusammenhang übernommen. Die Distanz von 42,195 Kilometer wurde erst im 20. Jahrhundert als internationaler Standard für den Begriff „Marathon“ definiert. Die moderne Marathondistanz von 42,195 Kilometer entstand durch den britisch-royalen Wunsch bei den Olympischen Spielen 1908 in London. Um den damaligen Start beim Windsor Castle, und das Ziel vor der königlichen Loge im heute bereits abgerissenem White City Stadium zu ermöglichen, wurde die Strecke von ursprünglich etwa 40 Kilometern (Laufstrecke von Marathon bis nach Athen) auf exakt 42,195 Kilometer angepasst. Diese Distanz wurde im Jahr 1921 als internationaler Standard festgelegt.

Zudem wurde in der Vergangenheit mit der Marathon-Distanz sehr flexibel umgegangen. Im Jahr 1896 gab es bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit einen Marathonlauf über eine Distanz von etwa 38 Kilometer. Vier Jahre später, bei den Olympischen Spielen in Paris im Jahr 1900, betrug die Strecke schon 40,2 Kilometer, und erst 8 Jahre später wurde die Strecke auf die uns bekannten 42,195 Kilometer in London verlängert.

Doch auch die etwa ursprünglichen 38 – 40 Kilometer des Mythos Marathon sind nur ein Bruchteil dessen, was der Laufbote Pheidippides in der Geburtsstunde des Mythos Marathon geleistet hat. Es gibt unterschiedliche Varianten / Erzählungen / Berichte über das Geschehene, daher liegt die echte Wahrheit wahrscheinlich noch irgendwo im griechischen Sand vergraben.

Der Lauf des Pheidippides als Geburtsstunde des Mythos Marathon

Die Geschichte des Pheidippides gehört zu den bekanntesten Legenden rund um den Laufsport, zu einer Zeit (490 v. Chr.) als Laufen nicht nur einem gesellschaftlichen Zweck diente, sondern sich auch zu einer Sportart entwickelte. Die Legende existiert in zwei unterschiedlichen Varianten, die oft miteinander vermischt werden.

Die Ereignisse rund um die Entstehung des Mythos Marathon spielen zur Zeit der Schlacht von Marathon, als die Griechen im Jahr 490 v. Chr. gegen die Perser kämpften. Das persische Heer war auf griechischem Boden gelandet, und die Griechen fürchteten eine Niederlage gegen die persische Übermacht. In dieser angespannten Lage wandten sich die Athener an einen ihrer schnellsten und ausdauerndsten Botenläufer: Pheidippides.

Pheidippides‘ Auftrag war klar und zugleich beinahe übermenschlich. Er sollte von Athen aus ins 246 Kilometer entfernte Sparta (Distanz des gegenwärtigen Sparthathlons) laufen, um dort dringend militärische Unterstützung gegen die Perser zu erbitten. Die Strecke führte über Berge, durch unwegsames Gelände und all das ohne Versorgung und ohne jeglicher Infrastruktur. Ohne zu zögern machte sich Pheidippides auf den Weg. Tag und Nacht lief er hindurch, getrieben von der Hoffnung, seine Heimat zu retten. Nach etwa zwei Tagen (Spartathlon Streckenrekord Stand 2026: 19:55:09 Stunden, aufgestellt von Fotis Zisimopoulos im Jahr 2023) erreichte er tatsächlich Sparta – völlig erschöpft, aber lebendig. Dort überbrachte er die dringende Bitte Athens. Die Spartaner hörten ihn an, doch sie konnten nicht sofort aufbrechen. Religiöse Gesetze untersagten ihnen, vor dem nächsten Vollmond in den Krieg zu ziehen.

Auf dem Rückweg nach Athen begegnete Pheidippides angeblich der Legende nach dem oftmals Panik verbreitenden – und somit gefürchteten – Gott Pan (durch ihn ist der psychologische Begriff „Panik“ entstanden). Pheidippides hatte jedenfalls seine Aufgabe erfüllt und damit eine der größten bekannten Laufleistungen der Antike vollbracht. Auch wenn die Hilfe nicht rechtzeitig kam, bleibt sein Lauf ein beeindruckendes Zeugnis menschlicher Ausdauer und Entschlossenheit, überliefert durch den Historiker Herodot. Pheidippides’ Läufe – zuerst nach Sparta und dann zurück nach Athen – zeigen den Menschen als außergewöhnlichen Ausdauersportler in einer Welt, in der jede Strecke buchstäblich über Leben und Tod entscheiden hätte können.

Jedenfalls konnten die Athener (10.000 Griechen) die persische Übermacht (20.000 – 25.000 Perser) in der Schlacht bei Marathon besiegen, auch ohne die Hilfe der Spartaner. Insofern ist Pheidippides umsonst nach Sparta gelaufen. Die Perser landeten an der Küste bei Marathon, etwa 40 km nordöstlich von Athen. Diese Distanz wurde dann als erste ungenaue Grundlage für die künftige Marathon-Distanz von 42,195 Kilometer herangezogen.

Aus der Distanz von Marathon bis nach Athen ist die zweite Variante der Legende um den Mythos des Marathon entstanden. Diese zweite, spätere Variante der Geschichte über Pheidippides ist stark ausgeschmückt und unterscheidet sich deutlich von der historischen Kernversion Herodots.

In dieser sagenumwobenen Version, die vor allem aus späteren Quellen (ca. 500 – 700 Jahre später) – wie Plutarch und Lucian – stammt, lief Pheidippides nur etwa 42 Kilometer von Marathon bis nach Athen. Nach dem Sieg der Athener über die Perser bei der Schlacht von Marathon soll Pheidippides den ganzen Weg von Marathon nach Athen gelaufen sein, um die frohe Nachricht zu überbringen. Er soll die Distanz, eben etwa 42 Kilometer, in einem Stück zurückgelegt haben. In Athen angekommen, und nur noch die Worte „Wir haben gesiegt!“ ausgerufen zu haben, soll Pheidippides direkt danach tot zusammengebrochen sein, Aufgrund der Erschöpfung von diesem Lauf.

Diese Variante betont zwar Heldentum, Selbstaufopferung und patriotischen Geist – und ist somit die Grundlage für den heutigen Marathonlauf – historisch gesehen ist es allerdings viel wahrscheinlicher, dass Pheidippides als Laufbote mehrere Tage hindurch fast 500 Kilometer lief (Athen – Sparta – Athen), so wie es der Historiker Herodot beschrieben hat. Jedenfalls unterscheiden sich diese beiden Versionen der Geschichte in wesentlichen Punkten:

Historische Version von Herodot
  • Überlieferung: ca. 5. Jahrhundert v. Chr.
  • Botenlauf von Athen nach Sparta (246 km), um um Hilfe gegen die Perser zu bitten
  • Lauf über mehrere Tage, mit Ruhephasen
  • Bitte um militärische Hilfe
  • Lebte nach dem Lauf weiter
  • Militärischer Botenlauf
Ausgeschmückte Version von Plutarch, Lucian
  • Überlieferung: ca. 1. – 2. Jahrhundert n. Chr.
  • Lauf von Marathon nach Athen (ca. 42 km), um den Sieg über die Perser zu verkünden
  • Lauf über etwa 42 km, in einem Stück ohne Pause
  • Übermittlung der Botschaft: „Wir haben gesiegt!“
  • Brach tot zusammen unmittelbar nach der Nachricht
  • Heroische Tat, patriotisches Symbol, Inspiration für den modernen Marathon

In der Antike wurde das Laufen auch andernorts professionalisiert. Im alten ägyptischen Reich beispielsweise wollten die Pharaonen wissen, wie groß ihr Reich sei, und schickten daher regelmäßig Landvermesser aus, die das gesamte Reich abliefen. Auch Alexander der Große bediente sich durch seine Schrittezähler am Laufen. Seine Schrittezähler haben die zurückgelegten Entfernungen gemessen. Die gewonnen Erkenntnisse daraus verzeichneten die Schrittzähler in Landkarten.

Laufen im Mittelalter

pilgern
Abbildung: Das Pilgern war in gewisser Weise der Langstreckenlauf im Mittelalter

Das Mittelalter hat in vielerlei Hinsicht die uns bekannte Zivilisation zurück geworfen. So war auch der Laufsport – wie auch Olympia – lange Zeit kein Thema mehr. Aber es wurde gepilgert, und es gab auch Botenläufer (ähnlich wie im antiken Griechenland). Durch mittelalterliche Gesetze war es allerdings in Europa verboten, jedenfalls für den gläubigen Christenmenschen, aus dem Laufen einen sportlichen Wettbewerb zu machen.

Die Wiedergeburt des Laufsports hat erst viel später (17. – 18. Jahrhunder n. Chr.) angeblich in England stattgefunden. Dies soll der Wettleidenschaft der Engländer zu verdanken gewesen sein. Die Engländer wetteten gerne darauf, ob es möglich sei, gewisse Distanzen in einer bestimmten Zeit zurückzulegen. Extreme Langstreckenläufe – darunter auch 1000-Meilen-Läufe – waren im 18. Jahrhundert in England üblich.

Im Jahr 1809 gab es eine sensationelle Wette von Robert Barclay Allardice – auch Captain Robert Barclay genannt. Er wettete, dass er es schaffen würde, 1000 Stunden lang je eine Meile zu laufen oder zu gehen. Der Pedestrian schaffte es, indem er eine Meile am Ende einer Stunde und die nächste zu Beginn der folgenden Stunde lief. Damit hatte er zwischendurch jeweils eine längere Pause. Er benötigte dafür ganze 42 Tage und verlor 15 Kilogramm an Körpergewicht.

In dieser Zeit hat es auch andere Wettläufe gegeben, auf welche ein Preisgeld ausgesetzt wurde. Dabei hatten mehrere Läufer die Möglichkeit gegeneinander anzutreten. Dies kann in gewisser Weise als ein Übergang von der Wette zum Wettlauf betrachtet werden.

Pilgern - das Laufen im Mittelalter

Im Mittelalter war Pilgern eine wichtige religiöse Praxis. Menschen liefen oder wanderten weite Strecken zu heiligen Orten wie Santiago de Compostela, Rom oder nach Jerusalem. Das Gehen auf diesen Pilgerreisen war mehr als Fortbewegung: Jeder Schritt galt als Ausdruck von Buße, Demut und Glauben. Die körperliche Anstrengung und langen Tagesmärsche machten die Reise zu einer Art „spirituellem Marathon“, bei dem Ausdauer und Geduld genauso wichtig waren wie die innere Hingabe.

Pilger reisten oft in Gruppen, übernachteten in Klöstern oder Herbergen und nahmen bewusst Entbehrungen auf sich, zum Beispiel barfuß zu gehen. Geschwindigkeit spielte kaum eine Rolle, entscheidend war jedoch die Beständigkeit der Reise und die spirituelle Absicht. Martin Luther kritisierte dies und meinte, dass viele Menschen glaubten, Pilgerreisen allein könnten Sünden vergeben oder besonders fromm machen. Für ihn war die innere Überzeugung entscheidend. Ohne echten Glauben waren körperliche Anstrengungen wie lange Fußreisen nur äußere Handlungen ohne spirituellen Wert.

So hat das Pilgern im Mittelalter körperliche Ausdauer mit religiöser Bedeutung verbunden, während Luther darauf hinwies, dass der wahre Wert im Herzen liegt. Das Pilgern war damit in gewisser Weise ein „Marathon des Glaubens“, bei dem nicht Geschwindigkeit, sondern Beständigkeit und innere Haltung zählen.

Laufen in der Gegenwart

wings for life world run in wien
Abbildung: Heute wird für die Gesundheit und Fitness gelaufen, sowie für den guten Zweck und natürlich um Platzierungen

Mit der zunehmenden Industrialisierung hat sich auch das Verständnis für körperliche Bewegung massiv geändert. Sport wird zur Erhaltung der Gesundheit, Schönheit und körperlichen Fitness betrieben, und lange nicht mehr fürs Überleben. Moderne Technik und der Fortschritt in der Wissenschaft hat dazu geführt, dass Hightech-Materialien und entsprechende Laufschuhe (sowie Bekleidung und Ausrüstung) in der breiten Bevölkerung tagtäglich zum Einsatz kommen.

In den letzten Jahren hat durch die Entwicklung der Laufschuhe ein komplett neues Kapitel im Laufsport begonnen. Nun übernimmt zunehmend das Material (zB Carbon) das Kommando – und nicht mehr der Läufer selbst. Dies hat sogar dazu geführt, dass der Vienna City Marathon-Sieger Derara Hurisa am 12. September 2021 beim 38. Vienna City Marathon disqualifiziert worden ist, weil er einen Laufschuh verwendete, dessen Sohle um 10 Millimeter zu dick war. Ob das noch etwas mit den Ursprüngen und dem Grundgedanken des Laufens zu tun hat?

Tipps fürs Laufen im Urlaub

Wenn wir dich mit unserem Beitrag über die Geschichte des Laufens inspiriert haben – was wir natürlich hoffen – dann findest du vielleicht auch etwas für Dich in unserer Sammlung über das Laufen im Urlaub. Jedenfalls viel Spaß und alles Gute für deine künftigen Läufe.